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Marathon-Jahresbilanz 2025 der Frauen

Laufen wird weiblicher. Positive und negative Schlagzeilen aus Kenia. Julia Mayer zurück in Bestform.

Das Marathonjahr 2025 war in vielen Aspekten außergewöhnlich. Große Events in ganz Europa und vielen Teilen der Welt verzeichneten Rekordbeteiligungen. Der New York City Marathon feierte sich mit 59.133 Finishern als größten Marathon der Geschichte. London, wo im April diesen Jahres 56.746 Läufer*innen das Ziel erreichten, will in wenigen Monaten nachziehen.

Laufen begeistert in Österreich und weltweit

Auch der Vienna City Marathon (VCM) bewegte 2025 so viele Menschen wie nie zuvor. Für beide Veranstaltungstage gab es die Rekordzahl von 46.083 Anmeldungen. Auf der Marathondistanz erreichten 9.301 Läufer*innen das Ziel – so viele wie nie zuvor seit der Gründung des Events 1984.

Der Trend setzt sich fort. Bereits Mitte Oktober waren die Sonntagsbewerbe des VCM 2026 ausgebucht. Und der neu ins Leben gerufene Wörthersee Marathon motivierte allein im ersten Monat nach der Ankündigung 3.000 Läufer*innen zur Anmeldung, fast zwei Drittel davon für die volle Marathondistanz rund um den See.

Laufen ist auf einem Hoch. Wir erleben eine neue Ära der Laufbegeisterung, getragen besonders von jungen Menschen zwischen 25 und 35 Jahren sowie von Frauen, die mehr und mehr auch an Marathonläufen teilnehmen. Beim VCM nahmen waren erstmals über 25% Frauen im Marathonfeld. Im Halbmarathon 44% und beim Vienna 5K waren die Frauen sogar knapp in der Mehrheit. Die Tendenz geht für 2026 klar nach oben Richtung 30% im Marathon und Richtung 50% beim Halbmarathon.

Valencia führt die Speed-Liste an

Spitzensportlich gesehen kam das Beste zum Schluss. Denn beim Valencia-Marathon im Dezember wurden die beiden schnellsten Zeiten des Jahres gelaufen: Die Kenianerin Joyciline Jepkosgei setzte sich mit einem Streckenrekord von 2:14:00 Stunden an die Spitze der Jahresweltbestenliste und erzielte die viertschnellste je gelaufene Zeit. Sie gewann vor ihrer kenianischen Landsfrau Peres Jepchirchir, die mit 2:14:43 in der Alltime-Liste auf Platz sieben nach vorne rückte. Damit hatten die Kenianerinnen im letzten Augenblick noch die zuvor in der Jahresweltbestenliste vorne liegenden Äthiopierinnen überholt.

Schon bei den Weltmeisterschaften in Tokio im September hatte Äthiopiens derzeit stärkste Marathonläuferin, Tigst Assefa, ganz knapp das Nachsehen. In einem Spurt-Duell musste sich die frühere Weltrekordlerin gegen Peres Jepchirchir geschlagen geben. Assefa, die im Frühjahr den hochkarätigen London-Marathon gewonnen hatte, wurde wie schon 2024 bei Olympia in Paris Zweite.

Weltrekordlerin gesperrt

Die Kenianerinnen stellen zwar mit Jepchirchir und Jepkosgei die Weltmeisterin und die Nummer eins der Jahresweltbestenliste, jedoch war es auch eine Kenianerin, die für einen der größten Doping-Skandale in der Geschichte des Langstreckenlaufes sorgte: Ruth Chepngetich, die 2024 in Chicago als erste Frau unter 2:10:00 Stunden gelaufen war, wurde wegen Dopings für drei Jahre gesperrt. Da man ihr bisher kein Doping im Zusammenhang mit ihrem Rennen beim Chicago-Marathon nachweisen konnte, bleibt der Weltrekord von 2:09:56 bestehen. Dieses Resultat ist für viele mit einem übergroßen Fragezeichen und sehr viel Ärger verbunden.

Während die Chepngetich-Rekordzeit 2024 das einzige Ergebnis unter 2:15:00 Stunden war, blieben im vergangenen Jahr drei Läuferinnen unter dieser Zeitbarriere. Neben Jepkosgei und Jepchirchir war dies noch die Äthiopierin Hawi Feysa, die sich in Chicago auf 2:14:57 steigerte. In der Breite der Spitze war allerdings das Olympia-Jahr 2024 stärker: Gleich ein Dutzend Athletinnen hatten damals Zeiten von unter 2:17:00 erzielt. 2025 erreichten sieben Frauen ein derartiges Resultat.

Schnellste Europäerin war 2025 die Olympiasiegerin Sifan Hassan, die in London als Dritte 2:19:00 lief. Im August gewann die Holländerin dann zwar den Sydney-Marathon in 2:18:22, jedoch ist die abfallende Strecke nicht Rekord-konform, so dass die dort gelaufenen Zeiten nicht in den offiziellen Bestenlisten auftauchen.

Julia Mayer kehrt in Bestform zurück

Nach einer schwierigen Phase mit persönlichen Problemen kehrte Österreichs Top-Marathonläuferin Julia Mayer im zweiten Halbjahr 2025 in starker Verfassung zurück. Bei den Weltmeisterschaften in Tokio kam sie in 2:36:20 Stunden auf den guten 33. Platz, ehe sie in Valencia im Dezember ihren eigenen ÖLV-Rekord auf 2:26:08 verbesserte.

Eva Wutti schaffte es in Wien mit 2:37:43 und als Siegerin in Salzburg mit 2:37:44 zweimal unter die 2:40-Marke. Lisa Reisch erzielte in Valencia mit 2:43:41 Stunden eine persönliche Bestzeit, ebenso Lemuela Wutz in 2:44:35 Stunden beim Graz Marathon.

Beachtliches hat sich auf kürzeren Distanzen getan. Carina Reicht verbesserte die ÖLV-Straßenlaufrekorde über 5 km (15:40 min) und 10 km (32:19 min) von Julia Mayer. Larissa Matz zeigte mit Rang sieben im Halbmarathon der Universiade in persönlicher Bestzeit von 1:13:54 auf. Cordula Lassacher erzielte einen ÖLV U23-Rekord von 1:16:18 beim Vienna Calling Halbmarathon der VCM Winterlaufserie und glänzte auf der Bahn mit starken Leistungen. 

Fabienne Königstein Nummer 1 in Deutschland

Einen großen Sprung machte im vergangenen Jahr Fabienne Königstein. Die 33-Jährige zeigte beim VCM in 2:28:49 bei eiskalten Bedingungen auf Rang vier ein starkes Rennen. In Berlin verbesserte sie ihre Bestzeit auf 2:22:17 und wurde damit zur drittschnellsten deutschen Marathonläuferin aller Zeiten. Vor ihr stehen in dieser Bestenliste nur noch Irina Mikitenko (2:19:19) und Melat Kejeta (2:21:47). In der europäischen Bestenliste 2025 belegte Königstein mit ihrer Berliner Zeit zudem einen starken vierten Platz hinter Sifan Hassan, Chloé Herbiet (Belgien/2:20:38) und Alisa Vainio (Finnland/2:20:48).

Einmal mehr überzeugte Domenika Mayer. Die konstanteste deutsche Marathonläuferin der letzten Jahre lief zunächst in Hannover 2:24:22 und erreichte dann in Berlin einen persönlichen Rekord von 2:23:16. Damit war sie die Nummer zwei in der deutschen Jahresbestenliste und belegte in Europa Rang acht im Jahr 2025.

Die schnellsten Zeiten 2025 - Frauen

2:14:00    Joyciline Jepkosgei            KEN    Valencia    7.12.
2:14:43    Peres Jepchirchir            KEN    Valencia    7.12.
2:14:57    Hawi Feysa                ETH    Chicago    12.10.    
2:15:50    Tigst Assefa                ETH    London    27.4.
2:16:31    Sutume Kebede            ETH    Tokio        2.3.
2:16:36    Brigid Kosgei                KEN    Shanghai     30.11.
2:16:56    Winfridah Moseti             KEN    Tokio        2.3.
2:17:00    Hawi Feysa                 ETH    Tokio        2.3.
2:17:18    Megertu Alemu            ETH    Chicago    12.10.
2:17:37    Anyalem Desta            ETH    Amsterdam    19.10.

2:17:55    Workenesh Edesa            ETH    Hamburg    27.4.
2:17:56    Bertukan Welde            ETH    Amsterdam    19.10.
2:18:03    Magdalena Shauri            TAN    Chicago    12.10.
2:18:24    Voice Chemnung             KEN    Chicago    12.10.
2:18:26    Brigid Kosgei                KEN    Hamburg    27.4.


VCM News / Text und Statistik: Jörg Wenig, AM