Brigid Kosgei hat den Tokio-Marathon mit einer hochkarätigen Jahresweltbestzeit von 2:14:29 Stunden gewonnen. Die Kenianerin, die 2019 in Chicago mit 2:14:04 einen Weltrekord aufgestellt hatte, erzielte in der japanischen Metropole bei sehr guten Wetterbedingungen die siebtschnellste je gelaufene Zeit und verbesserte den Streckenrekord um deutlich über eine Minute. Obwohl sie einen großen Rückstand hatte, lief die zweitplatzierte Äthiopierin Bertukan Welde mit 2:16:36 immer noch eine Weltklassezeit. Dritte wurde Hawi Feysa (Äthiopien) in 2:17:39 vor ihrer zeitgleichen Landsfrau Sutume Kebede, die das Rennen sowohl 2024 als auch 2025 gewonnen hatte.
Im Gegensatz zu den Frauen blieb das Rennen der Männer spannend bis zum letzten Meter. Am Ende setzte sich der äthiopische Titelverteidiger Tadese Takele in der Jahresweltbestzeit von 2:03:37 ganz knapp vor dem zeitgleichen Kenianer Geoffrey Toroitich durch. Als Dritter folgte knapp dahinter Alexander Mutiso (Kenia) in 2:03:38. Auf Platz sechs stellte der Marathon-Europameister und WM-Dritte von 2025, Iliass Aouani, mit 2:04:26 einen italienischen Landesrekord auf. Eine deutliche Verbesserung des Landesrekordes um rund eine Minute gelang auch dem Chinesen Peiyou Feng, der auf Platz zehn nach 2:05:58 im Ziel war.
Der Tokio-Marathon, der zur World Marathon Majors-Serie gehört, hatte Anmeldungen von rund 39.000 Läufern angenommen.
Das Rennen der Männer
Im Rennen der Männer sollte offenbar der Streckenrekord des Kenianers Benson Kipruto angegriffen werden, der vor zwei Jahren mit 2:02:16 Stunden triumphiert hatte. Doch die große Gruppe der Favoriten lief vom Start weg trotz Tempomachern nicht schnell genug. Die 10-km-Zwischenzeit von 29:27 Minuten deutete auf eine Zielzeit von knapp über 2:04:00 hin. Vorneweg stürmten währenddessen die Japaner Ryuichi Hashimoto und Taisei Nakamura, die diesen Punkt nach 29:02 passierten. Sie waren auf Kurs für eine 2:02:30-Zielzeit, doch dies war nicht realistisch für die beiden. Während Nakamura bald zurückfiel, hielt sich Hashimoto, der erst vor einem Jahr in Osaka zum ersten Mal unter 2:10:00 gelaufen war und seitdem eine Bestzeit von 2:09:40 aufwies, erstaunlich lange an der Spitze. Nach einer Halbmarathon-Zwischenzeit von 61:29 - hier hatte er noch einen Vorsprung von genau 30 Sekunden auf eine 17köpfige Gruppe — wurde der Japaner dann jedoch bald langsamer. Bei 26,5 km wurde er ein- und überholt.
An der 30-km-Marke (1:28:01) waren nach dem Ausstieg des letzten Tempomachers immer noch neun Läufer in der Spitzengruppe, darunter der Europameister Iliass Aouani, der mit einer Bestzeit von 2:06:06 ins Rennen gegangen war. Erst gut vier Kilometer vor dem Ziel brach die Gruppe auseinander. Tadese Takele, Geoffrey Toroitich, Alexander Mutiso und desssen kenianischer Landsmann Daniel Mateiko lief nun an der Spitze. Rund 500 Meter vor dem Ziel setzte sich Tadese Takele an die Spitze. Während Mateiko geschlagen war, kämpften Toroitich und Mutiso bis zur Ziellinie noch um den Sieg. Doch sie kamen an dem erst 23-jährigen Äthiopier Takele, der vor einem Jahr mit seiner persönlichen Bestzeit von 2:03:23 in Tokio gewonnen hatte, nicht mehr vorbei. „Es gab schwere Phasen, aber ich habe durchgehalten - das ist mein größter Erfolg bisher“, sagte Tadese Takele. „Mein großes Ziel ist es, 2028 Olympiasieger zu werden.“
Das Rennen der Frauen
Im Gegensatz zu den Männern lief die Spitzengruppe der Frauen von Beginn an ein Tempo, das im Bereich des Streckenrekordes von Sutume Kebede lag. Die Äthiopierin hatte das Rennen vor zwei Jahren in 2:15:55 Stunden gewonnen und dann auch 2025 triumphiert. Sie lief erneut in der Spitzengruppe und versuchte, den Tokio-Marathon zum dritten Mal zu gewinnen. An der 10-km-Marke, die nach 32:14 Minuten erreicht war, liefen zehn Frauen in der ersten Gruppe. Bis zum Halbmarathon-Punkt (67:37) hatte sich die Spitzengruppe dann auf sechs Athletinnen reduziert: Brigid Kosgei hatte fünf Äthiopierinnen - Sutume Kebede, Hawi Feysa, Aberu Ayana, Bertukan Welde und Azmera Gebru - unmittelbar hinter sich.
Doch schon bei Kilometer 25 km (1:20:00 Stunden) hatte sich die Gruppe halbiert. Neben der 32-jährigen Kosgei liefen nur noch Sutume Kebede und Bertukan Welde, die bald darauf auch zurückfiel, am Ende aber noch Zweite wurde. Nach einer 30-km-Zwischenzeit von 1:35:53, die nun auf eine Zielzeit von knapp unter 2:15:00 hindeutete, setzte sich Brigid Kosgei ungefähr nach 33 Kilometern von der Titelverteidigerin ab. Die Olympia-Zweite von 2021 vergrößerte in der Folge ihren Vorsprung ständig und lief ihr zweitschnellstes Rennen. Nur bei ihrem Weltrekord 2019 war Brigid Kosgei, die in Tokio bereits vor vier Jahren gewonnen hatte, schneller. „2022 bin ich hier 2:16 Stunden gelaufen und habe den Streckenrekord gebrochen. Ich freue mich, dass das jetzt beides wiederholen konnte. Mein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2028“, sagte Brigid Kosgei.
Top-Ergebnisse, Männer:
1. Tadese Takele ETH 2:03:37
2. Geoffrey Toroitich KEN 2:03:37
3. Alexander Mutiso KEN 2:03:38
4. Daniel Mateiko KEN 2:03:44
5. Muktar Edris ETH 2:04:07
6. Iliass Aouani ITA 2:04:26
7. Selemon Barega ETH 2:05:00
8. Vincent Ngetich KEN 2:05:21
9. Shifera Tamru ETH 2:05:56
10. Peiyou Feng CHN 2:05:58
Frauen:
1. Brigid Kosgei KEN 2:14:29
2. Bertukan Welde ETH 2:16:36
3. Hawi Feysa ETH 2:17:39
4. Sutume Kebede ETH 2:17:39
5. Megertu Alemu ETH 2:18:50
6. Viola Cheptoo KEN 2:19:05
7. Mestawut Fikir ETH 2:20:00
8. Aberu Ayana ETH 2:20:30
9. Pascalia Jepkogei KEN 2:21:39
10. Ai Hosoda JPN 2:23:39
VCM News / Text: Jörg Wenig