Laufbegeisterung auf Rekordhoch. Sabastian Sawe etabliert sich als Nummer eins. Aaron Gruen läuft österreichischen Rekord.
Das Marathonjahr 2025 war in vielen Aspekten außergewöhnlich. Große Events in ganz Europa und vielen Teilen der Welt verzeichneten Rekordbeteiligungen. Der New York City Marathon feierte sich mit 59.133 Finishern als größten Marathon der Geschichte. London, wo im April diesen Jahres 56.746 Läufer*innen das Ziel erreichten, will in wenigen Monaten nachziehen.
Laufen begeistert in Österreich und weltweit
Auch der Vienna City Marathon (VCM) bewegte 2025 so viele Menschen wie nie zuvor. Für beide Veranstaltungstage gab es die Rekordzahl von 46.083 Anmeldungen. Auf der Marathondistanz erreichten 9.301 Läufer*innen das Ziel – so viele wie nie zuvor seit der Gründung des Events 1984.
Der Trend setzt sich fort. Bereits Mitte Oktober waren die Sonntagsbewerbe des VCM 2026 ausgebucht. Und der neu ins Leben gerufene Wörthersee Marathon motivierte allein im ersten Monat nach der Ankündigung 3.000 Läufer*innen zur Anmeldung, fast zwei Drittel davon für die volle Marathondistanz rund um den See.
Laufen ist auf einem Hoch. Wir erleben eine neue Ära der Laufbegeisterung, getragen besonders von jungen Menschen zwischen 25 und 35 Jahren sowie von Frauen, die mehr und mehr auch an Marathonläufen teilnehmen.
Sabastian Sawe ist der neue Name im Marathon
Der internationale Spitzensport erlebte den Abschied von Superstar Eliud Kipchoge vom Elitesport. Der zweifache Olympiasieger und 1:59-Läufer von Wien wird jedoch weiter bei Marathons starten.
Ein neuer Mann setzte sich in Szene. Sabastian Sawe hat sich als nächster großer kenianischer Marathonläufer an der Weltspitze etabliert. Der 30-Jährige ist erst drei Rennen über die 42,195 km gelaufen. Doch sowohl 2024 als auch 2025 war er der schnellste Marathonläufer des Jahres weltweit, und er ist bei jedem seiner Rennen unter 2:02:30 Stunden gelaufen. Es ist durchaus möglich, dass Sabastian Sawe in diesem Jahr den Weltrekord brechen kann und damit zum Nachfolger des großen Eliud Kipchoge und des verstorbenen Kelvin Kiptum (beide Kenia) wird. Möglicherweise könnte er sogar als erster Marathonläufer in einem regulären Rennen die Zwei-Stunden-Marke unterbieten.
In Berlin hatte Sabastian Sawe im vergangenen September bei einem Weltrekord-Versuch Pech, weil das Wetter ungewöhnlich warm war und dadurch keine Rekorde zuließ. Trotzdem lief der Kenianer mit 2:02:16 Stunden noch die Jahresweltbestzeit und erzielte einen „Hitze-Weltrekord“ – nie zuvor gab es eine so schnelle Zeit bei derart hohen Temperaturen.
Während der Weltrekord von Kelvin Kiptum (2:00:35) auch 2025 unangetastet blieb, gab es wie schon 2024 etliche hochklassige Zeiten. Dabei war das Niveau praktisch identisch zum Vorjahr. 2025 wurden vier Zeiten unter 2:03:00 Stunden gestoppt (2024 waren es fünf), zehn Zeiten unter 2:04:00 (2025: 11) sowie 30 Zeiten unter 2:05:00 (2025: 29). Zwei der Ergebnisse unter 2:03:00 gehen auf das Konto von Sabastian Sawe. Jacob Kiplimo (Uganda) und John Korir (Kenia) sind die anderen beiden Läufer, die 2025 in derartige Zeitbereiche vordringen konnten.
Aaron Gruen knackt mit ÖLV-Rekord erstmals 2:10 Stunden
Österreich feierte im vergangenen Jahr die erste Marathonmarke unter 2:10 Stunden. Aaron Gruen durchbrach in 2:09:53 Stunden bei einem kleinen Elitemarathon am 30. März nahe New York diese Barriere. Damit war er um 13 Sekunden schneller als Peter Herzog bei seinem ehemaligen ÖLV-Rekord im verregneten London 2020. Mit Andreas Vojta (2:15:01 beim VCM), Mario Bauernfeind (2:15:30), Lukas Hollaus (2:17:20 als Sieger in Salzburg), Dominik Hirczy (2:18:31) und Johannes Pell (2:19:14 beim VCM) blieben insgesamt sechs Österreicher unter 2:20 Stunden. Auch das ist eine Rekordzahl.
Deutschland zündet Marathonturbo
Beeindruckend die Entwicklung im Nachbarland Deutschland. Sieben Läufer erzielten Zeiten von unter 2:09 Stunden, drei waren sogar schneller als 2:07. Angeführt wird der Laufturbo von Amanal Petros, dem WM-Zweiten von Tokio, der mit seinem deutschen Rekord von 2:04:03 in Valencia sogar schnellster Europäer des Jahres war. In der Liste der schnellsten Läufer der Welt des Jahres belegte er 2025 Platz zehn.
Mit einer Jahresbestzeit von 2:06:29 war der frühere deutsche Rekordhalter Samuel Fitwi dieses Mal die nationale Nummer zwei. Eine Steigerung auf 2:06:45 gelang Hendrik Pfeiffer in Valencia, so dass zum zweiten Mal nach 2024 drei deutsche Läufer Zeiten von unter 2:07:00 erzielten. Einmalig in der deutschen Marathon-Geschichte ist, dass gleich sieben Läufer Zeiten von unter 2:09:00 Stunden erzielten. Persönliche Bestzeiten erreichten von jenen sieben auch Filimon Abraham mit 2:08:11, Nils Voigt (2:08:22) und Simon Boch (2:08:55).
Die schnellsten Zeiten 2025 (Männer)
2:02:16 Sabastian Sawe KEN Berlin 21.9.
2:02:23 Jacob Kiplimo UGA Chicago 12.10.
2:02:24 John Korir KEN Valencia 7.12.
2:02:27 Sabastian Sawe (2) KEN London 27.4.
2:03:23 Tadese Takele ETH Tokio 2.3.
2:03:30 Geofry Kipchumba KEN Amsterdam 19.10.
2:03:37 Jacob Kiplimo (2) UGA London 27.4.
2:03:46 Amos Kipruto KEN Hamburg 27.4.
2:03:51 Deresa Geleta ETH Tokio 2.3.
2:03:54 Amos Kipruto (2) KEN Chicago 12.10.
2:04:00 Vincent Ngetich KEN Tokio 2.3.
2:04:01 Philemon Kiplimo KEN Hamburg 27.4.
2:04:03 Amanal Petros GER Valencia 7.12.
2:04:13 Tesfaye Deriba ETH Barcelona 16.3.
2:04:18 Tsegaye Getachew ETH Amsterdam 19.10.