Andreas Vojta mit sehr gutem Rennen auf Rang 26, Eva Wutti läuft EM-Debüt. Europameister Amanal Petros aus Deutschland und Alisa Vainio aus Finnland.
Die EM-Marathons in Birmingham: Ein forderndes Highlight der Leichtathletik-Europameisterschaften mit rund 700 Höhenmetern. Der achtmal zu durchlaufende 5 km Rundkurs verlangen den Athlet*innen alles ab. Österreichs Lauf-Trio schlug sich sehr gut. Julia Mayer holte sensationell den zehnten Platz, Andreas Vojta gelang auf Rang 26 sein bisher wohl hochwertigster Marathon und Eva Wutti absolvierte ihr EM-Debüt mit einer kämpferischen Leistung auf dem 45. Platz.
Die neuen Europameister heißen Alisa Vainio (Finnland) in 2:22:26 Stunden und Amanal Petros (Deutschland) in 2:09:11 Stunden. Beide siegten mit neuem Meisterschaftsrekord. Besonders beeindruckend: Vainio setzte sich mit einem Sololauf vom Start weg durch. Sie gewann mit fast fünf Minuten Vorsprung vor Lila Anna Vindics-Tóth (Ungarn, 2:27:21), der Siegerin beim Vienna 5K 2024.
Birmingham erlebte die letzten kontinentalen Marathon-Titelkämpfe dieser Art als Teil der Freiluft-Europameisterschaften. Ab 2027 werden im 2-Jahres-Rhythmus eigenständige „European Running Championships“ durchgeführt.
Das Rennen der Frauen
Die favorisierte Alisa Vainio lief zu einem klaren Start-Ziel-Sieg. Die Finnin siegte scheinbar mühelos mit der EM-Rekordzeit von 2:22:26 Stunden und hatte einen Vorsprung von fast fünf Minuten. Lili Anna Vindics-Toth aus Ungarn sicherte sich in 2:27:21 die Silbermedaille vor der Britin Abbie Donnelly, die nach 2:27:33 im Ziel war. Den starken zehnten Platz belegte die Österreicherin Julia Mayer in 2:28:23. Beste deutsche Läuferin war etwas überraschend Laura Hottenrott mit 2:31:15 auf Rang 16. Mit Medaillen-Ambitionen gestartet und zunächst die erste Verfolgerin der Führenden Alisa Vainio, brach Fabienne Königstein ein und gab das Rennen bei 35 km auf.
Julia Mayer war zurückhaltend ins Rennen gestartet, fand aber Anschluss an die Spitzengruppe hinter Vainio. Ab Kilometer 20 zeigte sich immer wieder hochaktiv und lief an vorderster Front. Während Vainio an der Spitze kein Zeichen von Schwäche zeigte, entwickelte sich dahinter ein Rennen um die weiteren Spitzenplätze. Nach einer Tempoverschärfung fiel Julia Mayer aus der Gruppe zurück. Mit der Medaillenentscheidung hatte sie nichts zu tun, sie konnte den Abstand zu den Läuferinnen vor ihr aber konstant halten.
Julia Mayer im Glück
“Das war komplett cool. Ich dachte mir, ich mache mein Rennen, aber nach zwei Runden ist es mir etwas zu defensiv vorgekommen. Ich war dann schon ein wenig überrascht, so schnell zur Hauptgruppe aufschließen zu können. Dort wollte dann niemand Tempo machen, und so bin ich halt auf meinem Tempo geblieben und bin vorne gelaufen. Auf Position 2 zu laufen hat sicher viele verwirrt, auch meine Betreuer. Es war mir auch klar, dass diese Top-Stars noch einmal schneller werden, ich hab zwar versucht dranzubleiben, es aber nicht ganz geschafft. Es ist alles sehr gut aufgegangen, ich bin sehr zufrieden. Die Zeit wundert mich selber, weil die Strecke war wie erwartet sehr schwer, es war am Ende muskulär am Limit. Aber ich habe es mir gut eingeteilt und konnte Richtung Ziel noch schnell laufen. Top-10 war mein Ziel und zwischendurch auf Platz 2 zu laufen war schon sehr geil”, wird Julia Mayer auf oelv.at zitiert.
Ihr 10. Platz und die Zeit von 2:28:23 Stunden sind wohl die beste Leistung einer österreichischen Marathonläuferin bei internationalen Meisterschaften, egal ob EM, WM oder Olympia. Im Vergleich zu ihrem ÖLV-Rekord von 2:26:08 in Valencia 2025 verlor sie auf dem schwierigen Kurs von Birmingham nur recht wenig Zeit. - Die bisher beste ÖLV-Platzierung einer Frau bei Marathon-Europameisterschaften erreichte Dagmar Rabensteiner mit Rang 15 in München 2022. Bei den Männern glänzten in Berlin 2028 Lemawork Ketema auf Rang acht und Peter Herzog auf Rang zehn.
Eva Wutti mit erster EM-Teilnahme
Eva Wutti fand zunächst in einer Vierergruppe ein gutes Umfeld. Das Auf-und-Ab des Kurses forderte aber Tribut. Die Gruppe löste sich auf und sie musste über weite Strecken ohne direkten Kontakt zu anderen Athletinnen laufen. In 2:47:29 Stunden erreichte sie auf dem 45. Rang ins Ziel. Für die 37-Jährige ehemalige ÖLV-Rekordhalterin und ehemalige Triathletin war dies die erste EM in der Leichtathletik. Als Vollzeit berufstätige Juristin und Mutter einer Tochter, die am Streckenrand anfeuerte, konnte sie mit der erfolgreichen EM-Teilnahme einen starken Akzent in ihrer Karriere setzen.
“Es war mit den Anstiegen schon sehr hart. Ich hatte in der Früh ein wenig Probleme mit dem Magen. Zu Beginn hatte ich noch eine Gruppe, die habe ich aber nach zwei Runden verloren, dann wurde es sehr einsam für mich. Dann ist es auch schwer, ein Gefühl für die Geschwindigkeit zu entwickeln, weil es ein so unrhythmischer Kurs ist. Bei meiner ersten und wahrscheinlich auch einzigen Europameisterschaft wollte ich aber unbedingt ins Ziel kommen, weil mein gesamtes Umfeld so viel unternommen hat, dass ich hier starten konnte. Es ist nicht ganz die von mir selbst erwartete Leistung”, so Eva Wutti in einem Statement zu oelv.at.
VCM-Connections nach Ungarn und in die Schweiz
Die Teamwertung sicherte sich Großbritannien vor Italien und Spanien. Ungarn schaffte es auf den starken vierten Platz. Neben Silbermedaillengewinnerin Vindics-Tóth glänzte Nóra Szabó in 2:27:39 auf Rang vier. Kata Tomaschof machte in 2:43:07 das Team vollständig. Szabó wie Tomaschof waren mehrfach beim Vienna City Marathon am Start, wo seit Jahren die ungarischen Meisterschaften ausgetragen werden, und haben sich durch ihre Leistungen u.a. aus Wien für Birmingham qualifiziert.
Applaus geht auch in die Schweiz. Fabienne Schlumpf, Vierte beim VCM 2021, kam in 2:32:11 auf Rang 19. Ihre Landsfrau Fabienne Vonlanthen, die sich mit dem Sieg beim Vienna Calling Halbmarathon im März 2026 ihr EM-Ticket gesichert hat, erreichte in 2:36:57 Rang 26.
Das Rennen der Männer
Amanal Petros hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham seinen ersten großen Titel im Marathon gewonnen, nachdem er vor einem Jahr bei der WM ganz knapp geschlagen den zweiten Platz belegt hatte. Der 31-jährige deutsche Rekordhalter war auf der sehr schweren, hügeligen Strecke bei guten Wetterbedingungen eine Klasse für sich und siegte mit einer EM-Rekordzeit von 2:09:11 Stunden, nachdem er sich bereits nach rund 27 km von seinen Konkurrenten gelöst hatte. Amanal Petros ist in der langen Geschichte der Leichtathletik-Europameisterschaften, die 1934 begann, erst der zweite deutsche Marathon-Sieger. 2022 hatte Richard Ringer in München triumphiert.
Der Italiener Pietro Riva und der Israeli Gashau Ayale gewannen in 2:09:18 beziehungsweise 2:09:21 die Silber- und Bronzemedaille. Starke Rennen zeigten auch Samuel Fitwi und Richard Ringer, die in 2:09:47 beziehungsweise 2:10:05 die Ränge neun und zehn belegten. In der Team-Wertung gewann die deutsche Mannschaft hinter Israel die Silbermedaille.
Andreas Vojta zeigt mit starkem Rennen auf
Andreas Vojta zeigte auf dem hügeligen Kurs das bisher wohl beste Marathonrennen seiner Karriere. Erstmals konnte er den Lauf bis zum Schluss mit guter Energie durchziehen. Mit 2:15:37 war er fast so schnell wie bei seinen VCM-Starts 2025 und 2026, wo die Strecke jedoch weitaus schnellere Zeiten zulässt als in Birmingham. Seine Bestzeit steht bei 2:13:43 aus Frankfurt 2023. – Die ausgiebige Vorbereitung im Aktiv² Apartmenthaus in Leutasch mit der Kombination aus flachen und hügeligen Strecken in der Umgebung hat sich offenbar gelohnt.
Nach einer zurückhaltenden ersten Rennhälfte konnte er sein Tempo steigern und über 20 Plätze gut machen. “Ich bin nur knapp an meiner PB dran, damit kann ich mehr als zufrieden sein. Die Zeit hätte ich mir im Vorfeld nicht einmal annähernd zugetraut. Ich habe meinen Plan sehr gut umgesetzt und konnte gegen Ende viele Läufer einsammeln. Von der Einteilung war das, gerade wenn man das Streckenprofil berücksichtigt, mein bester Marathon“, so ein zufriedener Andreas Vojta auf oelv.at.
Beeindruckend: Der Niederösterreicher nahm an seiner achten Freiluft-EM teil und ist damit ein „Europarekordler“. Seit 2010 war er durchgehend bei allen Leichtathletik-Europameisterschaften am Start.
Der letzte EM-Marathon
Birmingham erlebte die letzten kontinentalen Marathon-Titelkämpfe dieser Art als Teil der Freiluft-Europameisterschaften. Ab 2027 werden im 2-Jahres-Rhythmus eigenständige „European Running Championships“ durchgeführt. Dabei finden Meisterschaftsrennen über 10 km, Halbmarathon und Marathon an einem Wochenende im Frühjahr oder Herbst statt.
European Athletics hat 2024 in einer strategischen Entscheidung die „Alps and Mediterranean Group SA“ mit der Umsetzung betraut. Direktor des Unternehmens ist Marko Vasic, der auch als Verantwortlicher der „Running Unit“ von European Athletics geführt ist.
Der Wunsch ist es, diese Championships als Teil von großen Marathonevents durchzuführen. 2027 finden die Meisterschaften im April in Belgrad statt, 2029 in Utrecht. Bereits 2025 gab es in Leuven und Brüssel die erste Auflage dieses Formats.
Die Auslagerung des Marathons trennt somit die Verbindung der Leichtathletik-EM, dem Premium-Produkt von European Athletics, zur populärsten Disziplin am Kontinent – dem Straßenlauf.
Ob in der Konkurrenz zu den großen City-Marathons im Frühling und Herbst die European Running Championships sportlich und medial eine gute Rolle spielen können, wird sich zeigen.
Können in diesem neuen Rahmen weiterhin legendäre Momente entstehen, wie es der Zielsprint von Richard Ringer zum Europameistertitel in München 2022 war? Oder wie es für Österreich die Bronzemedaille in der Nationenwertung 2018 in Berlin durch Lemawork Ketema, Peter Herzog und Christian Steinhammer war?
Die mediale und sportliche Kraft einer einwöchigen „großen“ Meisterschaft dürfte deutlich stärker sein, als sie ein einzelnes Rennwochenende entwickeln kann.
Die Entwicklung im internationalen Laufsport bleibt jedenfalls spannend.
VCM News / Andreas Maier, Jörg Wenig