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Lisa Redlinger glänzt bei Track Night Vienna

Die Vienna 5K Siegerin rüttelt am ÖLV-Rekord über 5.000 Meter. Österreichs größtes Laufmeeting absolvierte seine zehnte Auflage mit toller Stimmung und starken Leistungen

 

Wasser in den Nacken schütten zur Kühlung: Das war der Move des Tages bei der Track Night Vienna am Samstag, 20. Juni – abgesehen von Laufen, Klatschen, Schreien, Jubeln. Am Beginn der ersten Hitzewelle 2026 feierten Fans und Athlet*innen bei rund 33°C die zehnte Auflage von Österreichs größtem Laufmeeting. „Es war eine sehr, sehr gelungene Geburtstagsparty mit toller Stimmung und vielen starken Leistungen“, so Veranstalter Christoph Sander.

„So muss Leichtathletik sein“

„Genauso wie heute muss Leichtathletik sein, mit Atmosphäre und Party rundherum“, sagte Andreas Vojta, Österreichs Rekord-Staatsmeister, der bei allen zehn Ausgaben der Track Night Vienna als Athlet am Start war. „Geiles Rennen, geile Stimmung, das kann ich mir nicht entgehen lassen.“

Die Leichtathletik-Party am LAZ hat begeistert. Vom Konzert der Böhsen Onkelz im direkt benachbarten Ernst-Happel-Stadion war auf der Sportanlage kein Ton zu hören. Die Track Night war selbst laut und mitreißend.

Das Erfolgsrezept der letzten Jahre galt auch beim kleinen Jubiläum: Fokus auf drei Disziplinen – 5.000m mit insgesamt 17 Rennen den ganzen Nachmittag über, 800m und 3.000m Hindernis. Dazu ein Wheelchair Race und eine 4x400m Communitystaffel.

Internationale Klasse, Top-Läufer*innen aus Österreich, viele davon haben auch bei VCM-Bewerben und beim Vienna Calling Halbmarathon für Begeisterung gesorgt, sowie die immer größerer werdende, ambitionierte Hobbylaufcommunity nahmen das Angebot mit Begeisterung an. Rund 600 Athlet*innen sorgten für starke Beteiligung.

Sportliche Highlights in der Hitzewelle

Mit einem Livestream auf ORF ON und European Athletics machte das Event einen wichtigen Step in der Medialisierung. Mit 21.000 Views am YouTube Channel von European Athletics am Tag nach dem Meeting zeigte sich auch im Vergleich zu anderen Übertragungen gutes Interesse an der Stadion-Nacht. 

Die Fans vor Ort und auf den Schirmen sahen, wie u.a. österreichische Athlet*innen die Glanzlichter setzten: Lisa Redlinger mit einem 5.000m-Lauf haarscharf am ÖLV-Rekord und Caroline Bredlinger als Siegerin über 800 Meter. International feierte mit dem Schweizer Dominic Lobalu ein klingender Name den Sieg über 5.000m, auch wenn die 13:12,80 Minuten unter den Möglichkeiten des 10.000-m-Europameisters von Rom 2024 und Olympia-Vierten von Paris 2024 lagen. Purity Gitonga aus Kenia, Siegerin des Österreichischen Frauenlaufs, setzte sich in 14:48,18 durch. Der Spanier Bakr El Asri erzielte über 3000 Meter Hindernis einen neuen U20 Europarekord von 8:24,40 Minuten. Dazu machten Tobias Rattinger und Lena Millonig, die in den Hindernisrennen die Staatsmeistertitel holten, wichtige Punkte für die Europameisterschaftsqualifikation auf der „Road 2 Birmingham“.

Verkehrte Leichtathletik-Welt

Die Fans am Leichtathletik-Zentrum Wien erlebten einen begeisternden Abend mit Musik, Foodtrucks, Kinderangeboten und Chill-Out Zonen am Infield. Das Meeting offenbarte eine verkehrte Welt. Denn die nicht auf Top-Niveau befindliche Leichtathletikanlage feierte ein attraktives Meeting mit gutem Publikumsinteresse (obwohl noch Platz gewesen wäre), während bei Leichtathletik-Meisterschaften in der nahen und modernen Sportarena Wien die Zuschauer aus Kapazitätsgründen ausgesperrt werden.

Hochspannung bei Lisa Redlingers 5000m-Rekordversuch

Fast wäre es ein historischer Abend geworden. Lisa Redlinger (TS Lustenau), die Aufsteigerin des Jahres, war über 5.000 Meter drauf und dran, den ÖLV-Rekord von 15:10,54 Minuten zu brechen, den die später wegen Dopings gesperrte Susanne Pumper 2001 gelaufen ist. In 15:12,03 Minuten verbesserte Redlinger ein weiteres Mal in dieser Saison ihre Bestleistung, nur gut 1,5 Sekunden fehlten am Ende. Das Abklatschen mit den Fans auf der Ehrenrund war dennoch top.

„Es ist unglaublich. Der Rekord war so nah, aber ich habe ihn ganz knapp nicht geschafft. Trotzdem die zweitbeste Zeit einer Österreicherin. Es wurde viel geschubst, das bin ich nicht so gewohnt, ich bin oft auf Bahn zwei gelaufen“, so Redlinger, die heuer als Siegerin beim Vienna 5K den ÖLV-Straßenlaufrekord auf 15:34 Minuten verbessert hatte.

Die Vorarlbergerin lief in einer starken Gruppe hinter den beiden führenden Kenianerinnen. Immer wieder gab es Körperkontakt und kleine Rempeleien. Ihre Durchgangszeit bei 3.000 Meter von ca. 9:04 Minuten war schon eine starke Leistung für sich. Die Spannung stieg auf ein neues Level, als sich Redlinger an die Spitze ihrer Gruppe setzte. Dieses Tempo konnte sie nicht ganz durchziehen: „Zwischendurch habe ich schon gedacht, es ist vorbei, weil ich etwas den Druck verloren habe, aber ich konnte nochmal zurückfinden und stark finishen.“

Der Rekord an sich wäre schon eine Riesenfreude gewesen, umso größer war die Motivation, weil die Marke aufgrund der Dopinghistorie in Frage gestellt werden kann. Weitere Chancen für Lisa Redlinger werden folgen. Mit dem Rennen der Track Night Vienna und den Bonuspunkten, die sie als Staatsmeisterin erhält, wird sie im Qualifikationsranking für die EM in Birmingham stark anschreiben.

Halbmarathon-WM Calling!

Silber bei den Staatsmeisterschaften holte Cordula Lassacher (ATUS Knittelfeld). Sie musste in diesem Rennen weite Strecken alleine laufen, hatte am Ende aber eine persönliche Bestzeit von 15:56,81 Minuten zu Buche stehen. Damit ist sie die erst siebte ÖLV-Läuferin mit einer 5.000m-Zeit unter 16 Minuten auf der Bahn. Auf der Straße war sie heuer bereits 15:55 beim Österreichischen Frauenlauf und 15:57 beim Vienna 5K des VCM gelaufen. Für „Cordi“ steht nun erstmals eine spezifische Halbmarathonvorbereitung am Programm, denn sie hat sich mit ihren 1:12:15 Stunden vom Vienna Calling Halbmarathon im März für die Straßenlauf-WM am 20. September in Kopenhagen qualifiziert.

Gleiches gilt für Larissa Matz (ULC Riverside Mödling), die sich bei der Track Night Vienna in 16:47,71 Minuten über eine persönliche Bestzeit und Rang drei bei den Staatsmeisterschaften freuen durfte. „Ich hatte Sorge wegen der Hitze, es war hart, aber die Beine waren gut heute“, kommentierte sie ihren Ausflug auf die Laufbahn. Über 5 km auf der Straße hat sie bereits 16:24 erzielt. Auch ihre Leistung vom Vienna Calling Halbmarathon von 1:12:41 Stunden gilt als WM-Qualifikation für Kopenhagen – der ÖLV hatte das Limit von 1:12:50 erst einen Monat danach fixiert. Ein guter Auftritt beim WM-Halbmarathon steht für sie nun im Blickpunkt.

Kamenschak: „Endlich Andi Vojta geschlagen!“

Das 5.000m-Männerrennen sah eine Premiere: Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) holte in persönlicher Bestleistung von 13:36,43 Minuten den Staatsmeistertitel. „Endlich einmal den großen Andi Vojta geschlagen!“, kommentierte er halb im Ernst, halb im Spaß. Denn dass der 53-fache Staatsmeister Andreas Vojta, der sich auf den EM-Marathon im August vorbereitet, über 5.000m nicht mehr der Favorit ist, war klar. In beachtlichen 13:43,44 Minuten holte Vojta den zweiten Rang in der Staatsmeisterschaftswertung. Im stark besetzten internationalen Rennen bedeutete dies Rang 15, Kamenschak kam auf Position 11.

„Ich bin sehr froh über die Bestleistung und den Titel. Die Stimmung war großartig. Ich bin am Anfang schlecht weggekommen und war weit hinten. Dann musste ich einiges auf Bahn zwei laufen, um aufzuholen. Ich fühlte mich richtig gut, aber nach drei Kilometer ist es sehr hart geworden“, so Kamenschak, der sich im Februar in Monaco in 13:47 Minuten den ÖLV-Rekord im 5 km Straßenlauf geholt hatte. Ein nächster Start über 5.000m könnte für ihn in Heusden am 18. Juli über die Bühne gehen.

Andreas Vojta zeigte einmal mehr eine für einen Marathonläufer starke Leistung. „Es war mir klar, dass ich nicht 100% spezifisch vorbereitet bin. Ich habe zurückhaltend begonnen und einige Läufer überholt, den Kevin leider nicht mehr. Aber ich bin zufrieden, dass ich mit „Marathon-Haxen“ noch eine solche Zeit laufen kann“, sagte er.

Bronze holte Timo Hinterndorfer (DSG Wien) in 14:06,69 Minuten, der in einem früheren Rennen am Start war. Zu Beginn mit schnellerer Pace unterwegs, konnte er das gewünschte Tempo nicht durchziehen: „Mich hat’s voll zerrissen. Ich will bis Ende Juli noch ein paar weitere 5000-er auf der Bahn laufen, die sollen besser gehen.“ Danach steht auch für ihn die spezifische Vorbereitung auf den Halbmarathon bei der Straßenlauf-WM in Kopenhagen am Plan. Direkt hinter Timo lief Emil Bezecny (LT Burgenland Eisenstadt) in 14:10,66 Minuten ein. Nach einer Meniskus-OP bestritt er sein Wettkampf-Comeback. „Ich hatte leider nicht die Beine für eine 2:45-Pace. Ich hätte Timo noch sehr gerne geholt, aber das war nicht drin.“

Tobias Rattinger läuft sich den Kopf frei

Die Läufe über 3.000m Hindernis brachten starke Resultate hervor. Herausragend der Sieger Bakr el Asri aus Spanien, der in 8:24,40 Minuten einen europäischen U20-Rekord erzielte. In der Spitzengruppe des Rennens hielt Tobias Rattinger (LAC BMD Amateure Steyr) stark mit. Am Ende holte der Sieger des diesjährigen Vienna 5K beim VCM in 8:28,73 Minuten den erwarteten Staatsmeistertitel und Rang sechs des Rennens. Vier Tage davor hatte er in Ostrava eine geringfügig schnellere Zeit erzielt, war aber am letzten Hindernis gestürzt: „Das Rennen heute war sehr wichtig, um diesen Sturz aus dem Kopf zu bekommen. Ich war technisch sehr stabil und habe viel rausgeholt. Für die Europameisterschafts-Qualifikation ist damit ein großer Schritt gelungen. Die Zeit ist gut und die Bonuspunkte vom Staatsmeistertitel sind sehr wichtig. Ein Traum wäre es natürlich, nicht vom Ranking abhängig zu sein, sondern noch das direkte Limit von 8:20 zu schaffen“, so der EM-Teilnehmer von Rom 2024.

Im einem zweiten Männer-Hindernisrennen liefen Damjan Eror (LAC Waidhofen/Ybbs) in 9:12,33 und Titelverteidiger Bernhard Schmid (SVS Leichtathletik) in 9:14,68 zu Silber und Bronze bei den Staatsmeisterschaften.

Guter Trend für Lena Millonig

Lena Millonig (ULC Riverside Mödling) ist mit dem Staatsmeistertitel in 9:58,37 Minuten ein wichtiger Aufwärtsschwung gelungen. „Wenn bei der Zeit ein 9er vorne steht, bin ich natürlich happy“, sagte sei. „Im Training läuft es mega, aber bei den ersten beiden Wettkämpfen der Saison habe ich nicht so richtig ins Rennen gefunden. Toll, dass es jetzt in Wien so gut gelaufen ist.“

Für das EM-Quali-Ranking bringt ihr der Meistertitel in Verbindung mit der Zeit gute Punkte. Zumindest ein starkes Rennen wird aber wohl noch nötig sein, um das Ticket für Birmingham zu lösen. Bei Lena Millonig folgen drei Wochen Höhentraining in St. Moritz, danach ein Start beim Meeting in Heusden.

Katharina Pesendorfer (SVS Leichtathletik) erzielte an zweiter Stelle der Staatsmeisterschaftswertung in 10:05,23 Minuten eine Saisonbestleistung. Ida Danner (TGW Zehnkampf Union) holte in 10:42,69 Bronze.

Zweimal Sub-2: Caroline Bredlinger stabil & stark

Caroline Bredlinger (LT Burgenland Eisenstadt) unterstrich mit einem souveränen Sieg in 1:59,64 Minuten über 800 Meter ihre beachtliche Entwicklung. Ein Jahr davor hat sie bei der Track Night Vienna unter großem Jubel zum ersten Mal die 2-Minuten-Marke durchbrochen. Diesmal schaffte sie dies zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen. Beim Meeting in Ostrava war sie bereits 1:59,36 gelaufen. „Zweimal so knapp nacheinander unter zwei Minuten zu laufen, damit bin ich sehr happy“, sagte die bereits fix für die Europameisterschaften qualifizierte Athletin.

Erster Start von Cass Elliott in Österreich

Die 800 Meter der Männer boten ein dichtes, packendes Rennen. Der Tscheche Jakub Dudycha setzte sich in starken 1:44,79 durch. Cass Elliott, der die österreichische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt und für die DSG Wien startet, kam nach einer aktiven ersten Runde in 1:46,02 auf Rang neun. Damit blieb der 26-Jährige unter der langjährigen ÖLV-Rekordmarke von Michael Wildner (1:46,21). Elliott ist jedoch nicht für Österreich startberechtigt, an den Rekordlisten ändert sich nichts. Das Rennen zeigt jedoch sein Rekordpotenzial und mehr, sollte World Athletics dem Antrag auf einen Nationenwechsel zustimmen. Als Nachfahre von Holocaust-Vertriebenen hat er bereits seit mehreren Jahren den österreichischen Pass. Seine Verwandten in Haag am Hausruck in Oberösterreich besucht er immer wieder. Elliott: „Die Stimmung bei diesem Meeting war großartig. Ich hoffe sehr, dass mein Ansuchen bei World Athletics durchgeht.“

Niklas Kainrath (Union St. Pölten) zeigte in diesem Rennen eine starke Talentprobe. Der U23-Athlet steigete seine Bestleistung auf 1:47,31 Minuten. Damit unterbot er den langjährigen niederösterreichischen Rekord, den Bernhard Richter mit 1:47,88 im Jahr 1991 (!) gelaufen war.


VCM News / Andreas Maier