Topzeit von 2:06:54 Stunden, Andreas Vojta bester Österreicher
Mit der fünftschnellsten Zeit in der Geschichte des Vienna City Marathon hat Fanny Kiprotich seinen internationalen Durchbruch geschafft. Der 24-jährige Kenianer, der im September 2025 als Sieger des Tallinn Marathon im Marathon debütiert hat, lief auch bei seinem zweiten Marathon als Erster über die Ziellinie und verbesserte seine persönliche Bestleistung um viereinhalb Minuten.
Wie schon des Öfteren in der Geschichte des Vienna City Marathon hat ein junges Lauftalent aus Ostafrika Wien als Bühne dafür genutzt, der internationalen Laufszene sein Potenzial aufzuzeigen. Fanny Kiprotich nutzte seinen ersten Start bei einem großen internationalen Marathon gleich als Sprungbrett mitten hinein in den Kreis jener, die in den Siegerlisten eines bedeutenden europäischen Marathon verewigt sind. Der 24-Jährige dominierte den heutigen Marathon ab Kilometer 29 und brachte ihn bei angesichts der hohen Temperaturen und kräftiger Sonnenstrahlen schwierigen Bedingungen mit einer starken Zeit von 2:06:54 Stunden ins Ziel.
Zuversicht nach guter Vorbereitung
Dass der unerfahrene Marathonläufer aus Kenia den Wettkampf so deutlich bestimmte, war nicht nur für Beobachter*innen, sondern auch für ihn selbst eine Überraschung. „Ich hatte schon eine gute Vorbereitung und mein letzter Longrun vor meiner Abreise nach Wien hat mich sehr zuversichtlich gestimmt, dass ich hier in der Spitzengruppe mitlaufen und um den Sieg mitkämpfen könnte. Ich bin sehr happy, dass das heute so gut geklappt hat!“ Kiprotich war der einzige in der Spitzengruppe, der annähernd zwei gleichmäßige Marathon-Hälften absolvieren konnte. Seine Konkurrenz verlor nach einem schnellen Anfangstempo im weiteren Rennverlauf geschlossen Zeit.
Kibrom und Mneria auf dem Stockerl
Die erste Attacke Kiprotichs im Prater konterte der favorisierte Oqbe Kibrom noch, bei der zweiten Beschleunigung des Kenianers musste der Eritreer zurückstecken. Der 28-Jährige erreichte das Ziel nach 2:08:11 Stunden auf Rang zwei und verpasste damit den ersten eritreischen VCM-Männersieg. Auch nach seinem 15. Marathon muss der Routinier, der vor vier Jahren in Wien schon einmal Dritter war und Eritrea bei drei Weltmeisterschaften sowie den Olympischen Spielen 2021 im Marathon vertreten hat, auf seinen ersten Marathonsieg warten.
Platz drei sicherte sich Charles Mneria in einer Zeit von 2:08:43 Stunden. Der 30-jährige Kenianer, der schon Marathons in Münster, Malaga und La Rochelle gewonnen hat, verbesserte damit seine offizielle persönliche Bestleistung um elf Sekunden. Eine Leistung vom Nairobi City Marathon 2023 von 2:08:04 Stunden erkennt der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) nicht offiziell an.
Mneria war 2016 Olympia-Teilnehmer für Kenia im 5.000m-Lauf, scheiterte in Rio de Janeiro jedoch im Vorlauf. Nach einer längeren Verletzungspause wechselte er in den Straßenlauf und startete 2022 seine Marathon-Laufbahn. Hinter ihm blieben auch seine Landsleute Samwel Kiptoo und Simon Mwangi sowie der Äthiopier Tafese Delegen unter 2:10 Stunden.
Aufgabe von Aaron Gruen
Der Vienna City Marathon 2026 begann mit einem schnellen Tempo in der Spitzengruppe, das auf eine Verbesserung des Streckenrekords ausgelegt war. Doch bereits während der ersten Hälfte reduzierten die Tempomacher die Geschwindigkeit etwas, bei der Halbmarathon-Zwischenzeit von 1:03:06 Stunden bestand die Spitzengruppe nur noch aus sechs Läufern.
Davor hatten bereits einige vielversprechende Athleten den Anschluss verloren: Abel Sikowo stieg früh aus dem Rennen, die mitfavorisierten Stanley Kurgat, Mogos Tuemay und Albert Kangogo fielen zurück und konnten das Rennen ebenso nicht beenden. Einen kräftigen Stimmungskiller der Hoffnungen der österreichischen Fans auf einen denkwürdigen Marathontag bedeutete das abrupte Stehenbleiben von Aaron Gruen (ProTeam Vienna) nach 20 Kilometern. Bis dahin war Österreichs Rekordhalter in einer Pace unterwegs, die in der Hochrechnung auf eine Leistung um 2:09 Stunden hingedeutet hätte.
„Ich habe schon am Start gespürt, dass es schwer wird. Ab Kilometer 15 war es mein Eindruck, als wären die Beine nicht da. Da wusste ich, dass ich es nicht ins Ziel schaffe, daher habe ich das Rennen aufgegeben. Es war körperlich und mental sehr schwierig“, so Aaron in einem ersten Statement.
Andreas Vojta zweitbester Europäer
Somit übernahm Andreas Vojta (team2012.at) die Rolle des besten Österreichers und beendete das Rennen wie 2025 auf dem neunten Platz in einer Zeit von 2:15:07 Stunden – auch sie vergleichbar mit jener aus dem Vorjahr. „Es sind gemischte Gefühle. Es ist schön, in die Top-Ten gelaufen zu sein, aber ich wäre gerne eine schnellere Zeit gelaufen“, resümierte er.
Bester Europäer beim Vienna City Marathon 2026 wurde Adam Lomb auf Platz acht. Der 24-jährige Ungar hat nach einem starken Halbmarathon in Berlin vor drei Wochen heute im Marathon debütiert.
Top-Ergebnisse Vienna City Marathon der Männer
1. Fanny Kiprotich (Kenia) 2:06:54 Stunden
2. Oqbe Kibrom (Eritrea) 2:08:11 Stunden
3. Charles Mneria (Kenia) 2:08:43 Stunden
4. Samwel Kiptoo (Kenia) 2:09:04 Stunden
5. Simon Mwangi (Kenia) 2:09:06 Stunden
6. Tafese Delegen (Äthiopien) 2:09:55 Stunden
7. Mica Cheserek (Kenia) 2:12:15 Stunden
8. Adam Lomb (Ungarn) 2:12:48 Stunden
9. Andreas Vojta (Österreich) 2:15:07 Stunden
10. Levente Szemerei (Ungarn) 2:24:40 Stunden
…
16. Jakob Hochradl (Österreich) 2:29:30 Stunden
18. Mathias Klocker (Österreich) 2:29:45 Stunden
20. Florian Koch (Österreich) 2:30:22 Stunden
24. Marcel Rüdisser (Österreich) 2:31:12 Stunden