Vorfreude und Zuversicht bei Aaron Gruen und Andreas Vojta vor dem VCM
Die heimischen Topläufer Aaron Gruen und Andreas Vojta blicken mit großer Zuversicht auf den Vienna City Marathon 2026. Heimische Spitzenläuferin bei den Frauen ist Eva Wutti.
Beim heutigen Pressetermin wollte sich Aaron Gruen nicht in die Karten blicken lassen und keine Details zur Rennstrategie verraten. Doch der ÖLV-Rekordhalter geht selbstbewusst in seinen ersten Marathon auf europäischen Boden – und damit auch in seine Marathon-Premiere in Österreich. „Das Training in diesem Jahr lief so gut wie noch nie in meiner bisherigen Karriere“, fasst der WM-Teilnehmer von Tokio 2025 zusammen. „Ich hab in einer leistungsstarken Trainingsgruppe trainiert und auch im harten Winter in Boston immer ein gutes Gefühl bei den Trainingseinheiten gehabt. Ich hatte auch nach harten Trainingseinheiten oft den Eindruck dass eigentlich noch ein bisschen mehr möglich gewesen wäre. Und das stimmt mich sehr zuversichtlich!“
Vielversprechende Generalprobe
Der Optimismus speist sich auch aus seinen jüngsten Wettkampfleistungen. Am 11. Jänner verbesserte Gruen in Houston den ÖLV-Rekord im Halbmarathon auf eine Zeit von 1:01:14 Stunden. Auch seine VCM-Generalprobe bei einem Halbmarathon in Valley Cottage im US-Bundesstaat New York in einer Zeit von 1:02:03 ist ein klares Zeichen, dass der Formaufbau Richtung Vienna City Marathon gelungen ist. Sein im März 2025 in der Nähe von New York aufgestellter ÖLV-Rekord im Marathon von 2:09:53 Stunden ist somit eine realistische Orientierung für seinen achten Marathonlauf.
Die ersten beiden Marathons lief Gruen 2022 noch ohne spitzensportliche Ambitionen, seither hinterließ er Spuren bei den Marathon-Größen in Chicago und Boston und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaften in Tokio, wo er bei enormer Hitze auf Platz 52 ins Ziel gekommen ist. Österreichs schnellster Marathonläufer jongliert in eindrucksvoller Manier zwischen seinem Studium an der Harvard Medical School, das er nach seinen absolvierten Studien in Chemie und Musik im Sommer begonnen hat, seiner Leidenschaft für die Musik und ambitioniertem Marathontraining. Daher bezeichnet er das Training trotz seiner professionellen und ehrgeizigen Herangehensweise gerne als wichtigen Ausgleich für sich – Gedanken, die viele Hobbyläufer*innen gut nachvollziehen können.
Wien-Start als Lebenstraum
Der seit 30. Juni 2024 für Österreich startberechtigte Athlet ist seit vier Jahren in Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft. Als Kind zog er mit seiner Familie in die USA, der Marathonläufer hat jedoch eine emotional besondere Beziehung zu Wien, der Heimatstadt seiner Vorfahren. Sein Großvater war gezwungen, die Bundeshauptstadt in der NS-Zeit zu verlassen.
„Es bedeutet mir sehr viel, am Sonntag hier in Wien den Marathon zu laufen. Diese Stadt ist in meinen Gedanken und in den Gedanken meiner Familie immer präsent. Es ist etwas Besonderes, hier zu laufen, wo meine Familie ihre Wurzeln hat und mein Großvater aufgewachsen ist.“ Außerdem schätzt der begnadete Cellist das kulturelle und musikalische Erbe Wiens sehr. Morgen wird er gemeinsam mit den Wiener Symphonikern beim Konzert zum Marathon drei Stücke spielen. „Es ist ein Lebenstraum von mir, im Goldenen Saal auftreten zu dürfen“, so Gruen. Lebenstraum Nummer zwei folgt am Sonntag im Marathon. „Am liebsten wäre es mir, wenn sich der Marathon ,Andante’ anfühlt und ,Prestissimo’ sein wird“, schmunzelt er.
Stimmungsvolle Überraschung am Flughafen
Österreichs Marathonrekordhalter wurde gestern Mittag von den beiden VCM-Geschäftsführern Kathrin Widu und Dominik Konrad gemeinsam mit einem Bläser-Quartett der Wiener Symphoniker und anwesenden Medienvertretern herzlich in Wien Willkommen geheißen. Der aus Boston via Amsterdam angereiste 27-Jährige bedankte sich für dieses Zeichen der Wertschätzung. Am Samstagmittag wird Gruen beim Konzert zum Marathon ein paar Stücke mit den Wiener Symphonikern spielen.
Vojta will wichtigen Schritt im Marathon machen
Zum insgesamt vierten Mal geht Andreas Vojta beim Vienna City Marathon an den Start, die Veranstaltung kennt er aus dem Inneren jedoch bereits seit Jahrzehnten bestens. Schon als Jugendlicher war er regelmäßig in den Nachwuchsrennen am Start, Siege feierte er im vergangenen Jahrzehnt beim Vienna 10K. 2022 betrat er die Marathonbühne als Tempomacher, im Jahr darauf gelang beim eigentlichen Debüt der Staatsmeistertitel und in Frankfurt eine immer noch aktuelle Marathon-Bestleistung von 2:13:43 Stunden. „Dass ich ein Mosaiksteinen dieser Erfolgsstory Vienna City Marathon sein darf, erfüllt mich mit großem Stolz“, meint der ehemalige Mittelstreckenlauf-Spezialist demütig.
„Mein volles Potenzial im Marathon habe ich noch nicht abrufen können“, gibt der 36-Jährige zu. „Ich habe noch Rechnungen offen mit dieser Distanz!“ Am Sonntag möchte er damit beginnen, diese mit einer neuen persönlichen Bestleistung zu begleichen. Dafür hat er bereits zu Jahresbeginn in einem einmonatigen Trainingslager in Kenia die höchsten Umfänge seiner Karriere in seinen Marathon-Aufbau integriert. Auch die Generalprobe als Solo-Sieger beim Vienna Calling Halbmarathon am 8. März in einer Zeit von 1:03:31 Stunden macht Mut.
Fünfter VCM-Start für Wutti
Bereits zum fünften Mal bestreitet Eva Wutti den Vienna City Marathon, den sie letztes Jahr mit einer Zeit von 2:37:43 Stunden auf Platz acht beendete. Die 37-jährige Kärntnerin, die als Juristin einem Vollzeitjob in ihrer Heimatstadt Wolfsberg nachgeht, möchte am Sonntag neuerlich als beste Österreicherin ins Ziel laufen.
Dabei hat die Kärntnerin nicht nur eine gute Marathonleistung im Blick, sondern möchte sich auch im Qualifikationsranking für die Europameisterschaften in Birmingham verbessern und damit ihren EM-Startplatz absichern – es wäre die internationale Premiere für sie. Ihr Trainer Johannes Langer, gleichzeitig VCM-Rennleiter, erzählt von einer guten Marathon-Vorbereitung im Rahmen der Möglichkeiten in Abstimmung mit beruflichen und familiären Aufgaben.
Kurzfristige Absagen von Wutz und Feit
Lemuela Wutz, Siegerin des Graz Marathon 2025, und Teresa Feit (beide DSG Wien), die im November beim Florenz Marathon unter 2:50 Stunden, mussten ihren Start kurzfristig absagen. Wutz wurde von muskulären Beschwerden ausgebremst, Feit von einem Atemwegsinfekt.
Katie Goldenberg, die Freundin von Aaron Gruen, möchte ihre persönliche Bestleistung von 2:53:39 Stunden am Sonntag klar verbessern. Mit einer vergleichbaren Familiengeschichte wie von Gruen hat auch sie die Österreichische Staatsbürgerschaft, tritt aktuell im Laufsport jedoch noch für die USA an.