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Berliner Halbmarathon: Timo Hinternorfer läuft 62:34 ÖLV U23-Rekord

Thomas Messner mit erfreulichem Rennen. Amanal Petros bricht deutschen Rekord.

Der 45. Berliner Halbmarathon brachte Superlative in vieler Hinsicht. Die Veranstalter registrierten eine Rekordzahl von 42.563 Athleten aus 134 Nationen. Noch nie sind so viele Frauen mitgelaufen – der Anteil lag bei 46 Prozent der Anmeldungen.

An der Spitze siegten Andrea Kiptoo aus Kenia in 59:11 Minuten und die Äthiopierin Likina Amebaw in 65:07 Minuten. 
 

Österreichischer U23-Rekord für Timo Hinterndorfer

Timo Hinterndorfer aus Wien zeigte mit 62:34 Minuten eine starke Leistung und verbesserte seinen eigenen ÖLV U23-Rekord um 22 Sekunden. Im Sommer 2025 war er bei der Universiade 62:56 gelaufen.

„Ich bin sehr zufrieden heute. Ich habe mich gut gefühlt und es war ein richtig cooles Rennen. Zwischendurch habe ich gedacht, dass es noch etwas schneller wird. Auf den letzten vier Kilometern war ich jedoch alleine und es gab Gegenwind. Da habe ich einiges an Zeit liegen gelassen“, kommentierte der 21-Jährige. 

In der Liste der schnellsten Halbmarathonzeiten von österreichischen Athleten liegt er nun auf Rang fünf. Neben Aaron Gruen (61:14) und Günther Weidlinger (61:42) liegen ganz knapp noch Andreas Vojta (62:32) und Timon Theuer (62:33) vor ihm. 

Erfreulich auch der Auftritt des Kärntners Thomas Messner. In 64:48 Minuten gelang ihm ein gutes Comeback auf der Halbmarathondistanz. Aufgrund von Verletzungsproblemen konnte er im zweiten Halbjahr 2025 nur eingeschränkt trainieren. Beim VCM Winterlauf am 8. März ist ich über 10 km in 30:11 Minuten bereits ein guter Test gelungen. Nun konnte er über 21,1 Kilometer den nächsten Schritt machen.

Internationale Highlights

Der Kenianer Andrea Kiptoo gewann etwas überraschend das hochklassige Rennen bei kalten aber sonnigen Bedingungen in einer persönlichen Bestzeit von 59:11 Minuten. Zweiter war sein zeitgleicher Landsmann Dennis Kipkemoi, der als Tempomacher gestartet war und im Rennen blieb. Als Dritter brach Amanal Petros (Hannover 96) mit 59:22 seinen eigenen deutschen Rekord. Er war genau neun Sekunden schneller als vor einem Jahr in Berlin und belegte erneut einen ausgezeichneten dritten Rang. In der Liste der schnellsten europäischen Läufer aller Zeiten rückte Amanal Petros auf Rang vier nach vorne. Es war einer von gleich sechs nationalen Rekorden, die in Berlin gebrochen wurden.

Die schnellste Läuferin auf der Startliste war auch als Erste im Ziel: Die Äthiopierin Likina Amebaw gewann in 65:07 Minuten und erzielte damit die drittschnellste je bei dem Rennen gelaufene Zeit. Zweite wurde die Kenianerin Veronica Loleo in 65: 21 vor ihrer Landsfrau Daisilah Jerono, die nach 65:35 im Ziel am Brandenburger Tor war. Als beste deutsche und auch beste europäische Läuferin belegte Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) einen hervorragenden fünften Platz und erzielte mit 67:25 eine persönliche Bestzeit sowie eine deutsche Jahresbestzeit.

Das Rennen der Männer

Mit Andrea Kiptoo setzte sich nach einem spannenden Rennverlauf ein Newcomer durch. Der 24-jährige Kenianer lief erst sein drittes Rennen außerhalb Kenias. Von Beginn an lief Kiptoo in der Spitzengruppe, die sich nach und nach verkleinerte. Bei Kilometer 15, der nach 41:55 Minuten erreicht wurde, waren neben Kiptoo noch zwei andere Läufer an der Spitze: Sein Landsmann Michael Temoi, der mit einer Bestzeit von 58:00 der schnellste Athlet auf der Startliste war, und der Schweizer 10.000-m-Europameister Dominic Lobalu. Temoi fiel kurz darauf zurück und beendete das Rennen vorzeitig. Kiptoo setzte sich dann von Lobalu ab, doch von hinten schloss überraschend Dennis Kipkemoi auf. Der Kenianer war als Tempomacher von Amanal Petros im Rennen, fühlte sich jedoch so stark, dass er nicht aus dem Rennen ging. Stattdessen kämpfte er plötzlich um den Sieg, war davon jedoch angesichts seiner Rolle als „Hase“ selbst derart überrascht, dass er im Zielsprint in seinem ersten internationalen Rennen verunsichert agierte und dann hinter Kiptoo ins Ziel lief. „Es war ein enges Rennen - ich bin froh über den Sieg und die Zeit“, sagte Andrea Kiptoo.

Amanal Petros lief anfangs in der Spitzengruppe, fiel aber nach rund fünf Kilometern zurück. Doch  in der zweiten Hälfte holte er wieder auf und lief noch von Platz zehn bis auf Rang drei nach vorne. „Es war kalt und windig, so dass ich das Tempo reduzierte, bis der Körper warm war. Ich bin sehr zufrieden mit dem deutschen Rekord“, sagte Amanal Petros. Nationale Rekorde liefen auch der Franzose Etienne Daguinos als Fünfter (59:27) und Celestine Ndikumana (Burundi) als Neunter (60:23). Auf Platz 22 war Hendrik Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) in 61:33 zweitbester Deutscher. Rang drei in der deutschen Rangfolge belegte Johannes Motschmann (Marathon Team Berlin/61:47) auf Platz 23.

Das Rennen der Frauen

Im Gegensatz zu den Männern setzten sich im Rennen der Frauen die Favoritinnen durch. An der 10-km-Marke hatten Likina Amebaw, Veronica Loleo und Daisilah Jerono mit einer Durchgangszeit von 31:02 Minuten bereits einen Vorsprung von 47 Sekunden. In der zweiten Hälfte wurde das Rennen noch etwas schneller und Likina Amebaw setzte sich schließlich ab. Die 28-jährige Äthiopierin feierte beim in Berlin den zweiten großen Sieg ihrer Karriere, nachdem sie 2025 den Kopenhagen-Halbmarathon gewonnen hatte. „Es war eine sehr starke Konkurrenz, aber ich war mir trotzdem sicher, dass ich gewinnen würde“, sagte Likina Amebaw. Nationale Rekorde liefen in Berlin die viertplatzierte Florence Niyonkuru (Ruanda/67:22), die sechstplatzierte Halbmarathon-Europameisterin Chloé Herbiet (Belgien/67:32) und die Spanierin Carla Gallardo, die als Achte nach 68:30 im Ziel war.

Zum größten Erfolg ihrer Karriere lief Esther Pfeiffer in Berlin. Die 28-Jährige lief anfangs zusammen mit mit Eva Dieterich (LAV Stadtwerke Tübingen) und Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg), setzte sich dann aber deutlich ab. Ihre 10-km-Zwischenzeit von 31:50 deutete sogar auf eine Zielzeit von 67:10 hin. Am Ende lief Esther Pfeiffer 67:25 und war damit drei Sekunden schneller als zuvor. „Ich habe zwei schwere Wochen hinter mir, da ich erkältet war. Aber jetzt freue ich mich riesig über die Bestzeit“, sagte Esther Pfeiffer.

Ein starkes Rennen lief Eva Dieterich (LAV Stadtwerke Tübingen), die sich als Siebente auf 67:56 Minuten verbesserte. Auf Platz neun folgte Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) in 68:35. Eine deutliche Bestzeit lief Hindernis-Spezialistin Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) auf Rang 13 in 68:59.

Ergebnisse, Männer:
1. Andrea Kiptoo        KEN    59:11
2. Dennis Kipkemoi        KEN    59:11
3. Amanal Petros         GER    59:22
4. Dominic Lobalu        SUI    59:23
5. Etienne Daguinos        FRA    59:27
6. Bereket Nega         ETH    59:43
7. Robert Koech         KEN    59:51
8. Bastien Augusto        FRA    60:09
9. Celestine Ndikumana    BDI    60:23
10. Said Mechaal         ESP    60:24

Frauen:
1. Likina Amebaw        ETH    65:07
2. Daisilah Jerono        KEN    65:21
3. Veronica Loleo        KEN    65:35
4. Florence Niyonkuru        RWA    67:22
5. Esther Pfeiffer        GER    67:25
6. Chloe Herbiet        BEL    67:32
7. Eva Dietrich            GER    67:56
8. Carla Gallardo        ESP    68:30
9. Domenika Mayer        GER    68:35
10. Elvanie Nimbona        ITA    68:38


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VCM News / Text: Jörg Wenig, AM