„Es war die geilste Zeit. Wir sehen uns beim nächsten Laufevent!“
Österreichs ehemaliger Marathon-Rekordhalter Peter Herzog hat seine Karriere als Leistungssportler beendet. „Es tut ein bisschen weh – meine Zeit, in der ich dem Laufsport alles untergeordnet habe, ist zu Ende! Nach einer unglaublichen Reise und vielen unvergesslichen Momenten gebe ich hiermit meinen Rückzug aus dem Leistungssport bekannt“, schreibt er auf Instagram.
Karriere, die begeistert hat
Davor hat er mit seiner Familie, seinen Sponsoren und Wegbegleitern gesprochen und sie informiert. Der Olympiateilnehmer von Tokio / Sapporo 2021, EM-Bronzemedaillengewinner im Team von Berlin 2018 (gemeinsam mit Lemawork Ketema und Christian Steinhammer) und ÖLV-Rekordhalter mit 2:10:06 Stunden von 2020 bis 2025 zog damit einen Schlussstrich. Er wird keine Bestzeiten mehr jagen, aber das Laufen bleibt ein Teil seines Lebens.
Emotionale Highlights beim VCM
Dem Vienna City Marathon war Peter eng verbunden. Am Beginn seiner Laufbahn, die als Hobbyläufer wie aus dem Nichts begonnen hatte, unterstützte der damalige VCM-Chef Wolfgang Konrad den Salzburger und ermöglichte ihm gemeinsam mit Sponsorpartner Hervis den Einstieg in den Leistungssport. Zuletzt startete Peter 2024 beim VCM und zeigte trotz krankheitsbedingt eingeschränkter Vorbereitung in 2:15:29 eine starke Vorstellung. „Der Vienna City Marathon war für mich jedes Mal ein emotionales Highlight“, schrieb er an das Team.
Alles Gute, Peter! Danke für deine Karriere und die Begeisterung, die du auf die Straßen gebracht hast! Wir freuen uns darauf, dich weiter in der Laufcommunity zu sehen.
"Peda“ brachte eine Frische und Unbekümmertheit in die Laufszene, die einfach begeistert hat. „Mit 28 Jahren habe ich ohne Leistungsambitionen mit dem Laufen begonnen und durfte Leistungen erreichen, die ich mir nie hätte vorstellen können“, schreibt er. Zehn Jahre später sind es Emotionen und Ergebnisse, die im österreichischen Laufsport seinesgleichen suchen und auf die er mit Stolz zurückblicken kann.
Der 38-Jährige feierte seine größten sportlichen Erfolge mit Johannes Langer als Trainer. Mehrfach war er in der Form, die Marke von 2:10 Stunden zu unterbieten, an die er bei einem verregneten und windigen London Marathon 2020 auf einem Rundkurs um den St. James's Park bis auf sechs Sekunden herangelaufen war. Gesundheitliche Probleme verhinderten jedoch jeweils die Realisierung dieses Traumziels. Ein ambitioniertes Rennen beim Berlin Marathon 2025 wurde von den Hitzebedingungen an diesem Tag zunichte gemacht, sodass er bei seinem letzten Marathonstart als Leistungssportler nicht ins Ziel kam. Beim Garda Trentino Halbmarathon am 9. November 2025 machte er im Rahmen eines Ausflugs ein leises Abschiedsrennen und lief in 1:06:03 Stunden auf Rang sechs.
Leistungssport geht nur auf Zeit
Als Vater von zwei Kindern und Student der Sportwissenschaften an der Universität Salzburg wurde es immer schwieriger für ihn, das nötige Trainingsumfeld für Höchstleistungen zu schaffen. „Der Punkt ist gekommen, an dem ein gesundes Gleichgewicht zwischen Training und Familienleben mit zwei kleinen Kindern für mich nicht mehr gegeben ist. Ebenso wurde in den letzten Monaten mein eigener Schatten in Bezug auf Leistungen immer größer – den eigenen Ansprüchen konnte ich immer schwerer gerecht werden“, erklärt er seinen Rücktritt.
Als Hobbyläufer “Lunte gerochen”
Der Topläufer ist erst auf Umwegen zum Laufsport gekommen. Er blickt auf eine bunte sportliche Vergangenheit als Weltmeisterschaftsteilnehmer im Trial-Bike und als Triathlet zurück. Als er 2012 einen Freund bei einem Marathon begleitete, hat er „Lunte gerochen, wie lässig das ist“. In München 2014 lief er ohne ausgefeilte Vorbereitung bereits 2:39:35. Es folgten Marathons in Wien 2016 (2:30:36), Frankfurt 2016 (2:21:13), Wien 2017 (2:23:13) und in Berlin 2017 mit 2:17:37 sein erstes Rennen unter 2:20 Stunden.
Rascher Aufstieg zu EM-Bronze
Beim VCM 2018 steigerte er sich bei großer Hitze auf 2:16:57 und fixierte damit seinen Platz im EM-Team in diesem Jahr in Berlin. Dort war er Teil einer österreichischen Laufsport-Sensation. Herzog erzielte in 2:15:29 Stunden eine weitere persönliche Beszeit und holte den zehnten Platz. Gemeinsam mit Lemawork Ketema - in 2:13:22 großartiger Achter - und Christian Steinhammer in 2:20:40 feierte dieses Team die Bronzemedaille in der Nationenwertung.
Dem Schnee die Stirn geboten
Bevor er für einige Jahre eine Profilaufbahn einschlug, war er als Biathlontrainer am Skigymnasium Saalfelden tätig. Dem Winter musste er die Stirn bieten, um dennoch ein passables Lauftraining absolvieren zu können. Auf der 400-m-Bahn in Saalfelden hat er mehrfach eine Spur mit der Fräse schneefrei gemacht, um laufen zu können.
“Wir sehen uns beim nächsten Laufevent!”
Der Moment des Abschieds ist niemals leicht, doch klar ist für ihn: „Es war die geilste Zeit meines Lebens! Danke an alle die mich unterstützt haben!“ Am Ende seines Rücktrittsschreibens blickt er auch voraus: „Bis bald, wir sehen uns beim nächsten Laufevent!“
Denn der Laufsport wird immer zu ihm gehören, und Peter immer zum Laufsport.
Peter Herzogs Bestleistungen
Marathon 2:10:06 – London 2020
Halbmarathon 1:03:10 – Sevilla 2023
10 km Straße 28:12 min – Berlin 2021 (Zwei Sekunden über dem ÖLV-Rekord von Günther Weidlinger)
5 km Straße 13:54 min – Berlin 2020 (ÖLV-Rekord bis Februar 2021)
Alle Marathon-Finishes von Peter Herzog
Valencia 01.12.2024 - 2:12:18
Berlin 29.09.2024 - 2:12:08
Salzburg 12.05.2024 - 2:21:46 (Gesamtsieger)
Vienna City Marathon 21.04.2024 - 2:15:29
Valencia 03.12.2023 - 2:24:32
Berlin 25.09.2022 - 2:12:16
Olympiamarathon Tokio (Sapporo) 08.08.2021 - 2:22:15
London 04.10.2020 - 2:10:06 (ÖLV-Rekord bis 2025)
Berlin 29.09.2019 - 2:10:57
Vienna City Marathon 07.04.2019 - 2:16:16
EM-Berlin 12.08.2018 - 2:15:29 (10. Platz, Team-Bronze)
Vienna City Marathon 22.04.2018 - 2:16:57
Berlin 24.09.2017 - 2:17:37
Vienna City Marathon 23.04.2017 - 2:23:13
Frankfurt 30.10.2016 - 2:21:11
Vienna City Marathon 10.04.2016 - 2:30:36
München 12.10.2014 - 2:39:35
München 14.10.2012 - 3:24:34
VCM News / AM