Olympiasiegerin Sifan Hassan und der Äthiopier Hailemaryam Kiros triumphieren, Eliud Kipchoge in 2:08:31 Neunter
Der Sydney Marathon ist neu im Kreis der World Marathon Majors.* Mit dem Rennen am 31. August ist Australiens Top-Marathon in der illustren Runde angekommen. Hochklassige sportliche Besetzung, knapp 33.000 Finisher auf der Marathondistanz und ikonische Bilder mit dem Zieleinlauf vor dem weltbekannten Operngebäude brachten eine starke Premiere.
Olympiasiegerin Sifan Hassan aus den Niederlanden zeigte in 2:18:22 Stunden die herausragende Leistung des Tages. Bei den Männern siegte der Äthiopier Hailemaryam Kiros mit 2:06:06. Viele Augen waren auf Lauflegende Eliud Kipchoge gerichtet. Lange hielt sich der ehemalige Weltrekordler und 1:59-Läufer an der Spitze. Mit bereits über 40 Jahren kam er am Ende in beachtlichen 2:08:31 Stunden auf den neunten Platz.
Die beiden Siegzeiten sind jeweils Veranstaltungsrekorde und die schnellsten Marathonzeiten, die auf australischem Boden bisher gelaufen wurden. Die neu konzipierte Strecke erwies sich aufgrund etlicher Anstiege und Abwärts-Passagen als sehr schwer. Da das Ziel 83 Meter tiefer als der Start liegt, ist die Sydney-Strecke ebenso wie der Kurs des traditionellen Boston-Marathons nicht Rekord-konform, so dass die Zeiten keinen Eingang in die offiziellen Bestenlisten finden.
Sifan Hassan begeistert mit starkem Finale
Nach einem schnellen Beginn mit einer 10-km-Zwischenzeit von 32:12 Minuten beruhigte sich das Tempo der Frauen-Spitzengruppe auf der hügeligen Strecke. Fünf Läuferinnen - Sifan Hassan, die frühere Weltrekordlerin Brigid Kosgei (Kenia), Workenesh Edesa, Kumeshi Sichala (beide Äthiopien) und Evaline Chirchir (Kenia) - bildeten die erste Gruppe, die die Halbmarathon-Marke nach 70:01 Minuten erreicht hatte.
Vor dem 30-km-Punkt forcierte die Olympiasiegerin Sifan Hassan dann das Tempo und ließ eine Konkurrentin nach der anderen deutlich hinter sich. Aufgrund dieser Tempoverschärfung erreichte die aus Äthiopien stammende Niederländerin sogar noch eine Zeit von deutlich unter 2:19:00 Stunden. „Es wurde am Ende aber richtig hart für mich, denn ich merkte rund zehn Kilometer vor dem Ziel, dass ich zu schnell gelaufen war. Die Beine taten weh“, sagte Sifan Hassan. Die Europarekordlerin (2:13:44) gewann in 2:18:22 vor Brigid Kosgei (2:18:56) und Workenesh Edesa (2:22:15).
Eliud Kipchoge zeigte sich an der Spitze
Im Rennen der Männer bildete sich schnell eine große, rund 20-köpfige Spitzengruppe. Der zweifache Olympiasieger und frühere Weltrekordler Eliud Kipchoge (Kenia) lief immer wieder ganz vorne. In der Gruppe, die den 10-km-Punkt nach 30:04 Minuten passiert hatte, war auch Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier). Gut 15 Läufer passierten dann den Halbmarathon-Punkt in 63:45. Kurz vor Kilometer 30 kam Bewegung in die Führungsgruppe, die aufgrund einer Tempoverschärfung auf acht Athleten zusammenschrumpfte.
Nicht mehr mithalten konnte in dieser Phase auch der Deutsche Samuel Fitwi, der auf eine Top 10-Platzierung gehofft hatte. „Ich habe mich eigentlich gut gefühlt, aber bei Kilometer 30 bekam ich Probleme mit der Muskulatur im Oberschenkel. Ich stand kurz vor einem Krampf und musste das Tempo daher etwas reduzieren“, sagte Samuel Fitwi. Der deutsche Rekordhalter (2:04:56) lief fortan auf dem hügeligen Kurs weitestgehend alleine und war dann nach 2:10:30 auf Platz 13 im Ziel.
Knapp zehn Kilometer vor dem Ziel musste auch der zweifache Olympiasieger Eliud Kipchoge sich aus der Spitzengruppe verabschieden geben. Der inzwischen bereits 40-Jährige zeigte als Neunter in 2:08:31 aber immer noch eine sehr starke Leistung.
Äthiopischer Doppelsieg
Sieben Kilometer vor dem Ziel fiel eine Vorentscheidung, als Addisu Gobena das Tempo anzog und die siebenköpfige Spitzengruppe damit auseinanderriss. Nur sein äthiopischer Landsmann Hailemaryam Kiros konnte bei Kilometer 37 noch aufschließen. Er überholte Gobena zunächst jedoch nicht, sondern wartete bis nach der 40-km-Marke. Dann ging er an seinem Konkurrenten vorbei und setzte sich schließlich auf den letzten 700 Metern entscheidend ab. Der 28-jährige Kiros, der in Berlin vor einem Jahr als Fünfter seine Bestzeit von 2:04:35 gelaufen war, siegte in 2:06:06 vor Gobena (2:06:16) und dem Olympia-Siebenten Tebello Ramakongoana (Lesotho/2:06:47).
* Die 2006 ins Leben gerufene „Majors“-Serie mit London, Berlin, New York, Boston und Chicago wurden 2012 um Tokyo erweitert. Sydney ist jetzt die Nummer sieben. Die nächste Vergrößerung ist bereits im Kommen – Kapstadt hat derzeit Kandidatenstatus.
Sydney Marathon Top-Ergebnisse
Männer:
1. Hailemaryam Kiros ETH 2:06:06
2. Addisu Gobena ETH 2:06:16
3. Tebello Ramakongoana LSO 2:06:47
4. Mustapha Houdadi MAR 2:07:17
5. Edward Cheserek KEN 2:07:38
6. Masato Arao JPN 2:07:42
7. Laban Korir KEN 2:08:06
8. Felix Kirwa KEN 2:08:18
9. Eliud Kipchoge KEN 2:08:31
13. Samuel Fitwi GER 2:10:30
Frauen:
1. Sifan Hassan NED 2:18:22
2. Brigid Kosgei KEN 2:18:56
3. Workenesh Edesa ETH 2:22:15
4. Kumeshi Sichala ETH 2:22:50
5. Evaline Chirchir KEN 2:23:13
6. Ai Hosoda JPN 2:23:27
7. Leanne Pompeani AUS 2:24:47
8. Jessica Stenson AUS 2:28:56
VCM News. Text: Jörg Wenig, Andreas Maier