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Olympia-Marathon mit Kipchoge und Bekele: Duell der alten Giganten

Kenia und Äthiopien haben ihre Marathonteams für Paris nominiert. Auch VCM-Sieger Sisay Lemma am Start.

Zu einem Duell zweier Giganten der Laufsport-Historie kommt es beim olympischen Männer-Marathon in Paris im August: Kenias Doppel-Olympiasieger Eliud Kipchoge, 39, trifft auf Äthiopiens Legende Kenenisa Bekele, der bereits 41 ist. Ob es bei diesem Duell allerdings um den Sieg gehen wird, ist zumindest fraglich. Die Laufstars boten zwar starke Leistungen, aber zeigten wechselhafte Form und konnten nicht immer mit den jüngeren Athleten mithalten.

Mission “Triple” für Eliud Kipchoge

Nachdem der kenianische Verband zunächst in einer Vor-Nominierung jeweils sechs Männer und Frauen auswählte, fiel nun die Entscheidung über die drei Starter und den jeweiligen Ersatzläufer. Eliud Kipchoge führt das kenianische Team an. Der 39-Jährige, der eine offizielle Bestzeit von 2:01:09 Stunden aufweist und in Wien 2019 die bekanntlich nicht rekord-konforme Zeit von 1:59:40,2 gelaufen ist, will als erster Läufer der Sportgeschichte zum dritten Mal in Folge Marathon-Olympiasieger werden. Zuletzt kam er jedoch beim Tokio-Marathon nicht über Platz zehn in 2:06:50 hinaus. Und auch im vergangenen Jahr war Kipchoge nicht in der Ausnahme-Form früherer Jahre. Selbst eine dritte Marathonmedaille nach zweimal Gold wäre eine Premiere. Der Weg dorthin ist jedoch steinig.

Neben Eliud Kipchoge nominierten die kenianischen Funktionäre Benson Kipruto, der im März den Tokio-Marathon in 2:02:16 gewonnen hatte, und Alexander Munyao, der kürzlich beim London-Marathon triumphierte und eine Bestzeit von 2:03:11 aufweist. Timothy Kiplagat (Bestzeit: 2:02:55) ist der Ersatzläufer, während überraschend Evans Chebet als zweimaliger Boston- (2022 und 2023) sowie New York-Sieger (2022) keine Berücksichtigung fand.

Die aktuelle Olympiasiegerin Peres Jepchirchir, die vor kurzem auch den London-Marathon mit einer Steigerung auf 2:16:16 Stunden gewann, führt Kenias Frauen-Team in Paris an. Neben der zweimaligen Boston-Siegerin Hellen Obiri (2023 und 2024), die zwar bisher nur eine Bestzeit von 2:25:49 aufweist, aber 2023 auch den New York-Marathon gewann, wurde überraschend auch die frühere Weltrekordlerin Brigid Kosgei (Bestzeit: 2:14:04) nominiert. Die Olympia-Zweite von 2021 kam schon längere Zeit nicht mehr an ihre besten Zeiten heran. Ersatzläuferin ist Sharon Lokedi (2:23:23), Siegerin des New York Marathons 2022 und Zweitplatzierte in Boston 2024.

Äthiopien mit Weltrekordlerin Assefa und VCM-Sieger Lemma

Wie mehrere internationale Medien berichten, haben die äthiopischen Verbands-Funktionäre die Marathon-Weltrekordlerin Tigst Assefa (2:11:53), die aktuelle Weltmeisterin Amane Beriso (2:14:58) und die Weltmeisterin von 2022, Gotytom Gebreslase (2:18:11), für die Spiele nominiert. Gebreslase war vor kurzem beim Hamburg-Marathon Zweite.

Neben Kenenisa Bekele wurden Tamirat Tola und Sisay Lemma für Paris nominiert. Tola, der eine Bestzeit von 2:03:39 aufweist, ist der Weltmeister von 2022 und aktuelle New York-Marathon-Sieger. Sisay Lemma, der VCM-Sieger von 2015, gewann zuletzt auf spektakuläre Weise die Rennen in Valencia und Boston. In Spanien steigerte er sich auf 2:01:53 und bei dem US-Klassiker rannte er im Alleingang zum Sieg.

Bekele erstmals bei Olympiamarathon

Der bereits 41-jährige Kenenisa Bekele überraschte zuletzt mit einem zweiten Platz in London mit 2:04:15. Allerdings war das Rennen schwächer besetzt als üblich. Er lief seine Bestzeit von 2:01:41 bei seinem Sieg in Berlin 2019. Der dreifache Langstrecken-Olympiasieger - 2004 siegte er über 10.000 m, vier Jahre später über 5.000 und 10.000 m - wird erstmals seit 2012 wieder bei Olympischen Spielen starten und zum ersten Mal über die Marathon-Distanz. In bisherigen Marathon-Duellen mit Eliud Kipchoge zog Kenenisa Bekele stets den Kürzeren. Während der Kenianer bei allen vier Aufeinandertreffen die Rennen gewann, wurde der Äthiopier in Chicago 2014 Vierter, in London Dritter (2016) sowie Sechster (2018), und in Berlin kam er 2017 nicht ins Ziel.

Julia Mayer hält Österreichs Farben hoch

Für Österreich wird Rekordläuferin Julia Mayer in Paris vertreten sein. Mit ihrem ÖLV-Rekord von 2:26:43 Stunden in Valencia 2023 hat sie das direkte Limit um sieben Sekunden unterboten. Derzeit haben bereits 88 Läuferinnen diese Qualifikation erbracht, obwohl offiziell eine Quote von 80 Läuferinnen vorgesehen ist.

Österreichs Marathon-Männer werden diesmal bei Olympia nicht dabei sein – in Tokio / Sapporo waren Peter Herzog und Lemawork Ketema im Rennen. 70 Läufer weltweit haben das direkte Limit von 2:08:10 Stunden geschafft – berechnet auf die drei schnellsten Läufer pro Land. Derzeit werden zehn Olympiastartplätze über die Weltrangliste vergeben. Auf Rang 80 befindet sich im Moment der Mongole Ser-Od Bat-Ochir mit zwei Marathonleistungen von 2:10:10 und 2:10:11 Stunden. Für den 42-Jährigen wäre es die sechste Marathon-Olympiateilnahme.


VCM News. Jörg Wenig / AM, Race News Service