Neue Halbmarathon-Topmarke 1:10:54 trotz heftigem Wind. Timo Hinterndorfer mit starkem Rennen, Aaron Gruen blieb hinter seinen Erwartungen.
Was für ein Lauf-Wochenende in Kopenhagen! Am Samstag verbesserte Lisa Redlinger bei den World Road Running Championships ihren österreichischen 5-km-Rekord auf 15:18 Minuten. Tags darauf jubelte Julia Mayer in 1:10:54 Stunden über einen neuen ÖLV-Rekord im Halbmarathon. Trotz windiger Bedingungen blieb sie erstmals unter der Marke 1:11 Stunden. Im WM-Rennen erreichte sie Rang 38.
Timo Hinterndorfer zeigte ebenso ein starkes Halbmarathon-Rennen. Seine 1:02:44 Stunden bedeuteten Rang 57 unter 127 gestarteten Läufern und nur zehn Sekunden über seinem österreichischen U23-Rekord.
Für Aaron Gruen war es hingegen ein harter Tag. Der österreichische Rekordhalter kam nach 1:04:16 Stunden ins Ziel und blieb damit hinter seinen Erwartungen und auch hinter seiner Rekordmarke von 61:14 zurück.
Rund 60.000 Läufer*innen waren bei den Bewerben über 1 Meile, 5 km und Halbmarathon am Start und machten Kopenhagen bei grandioser Stimmung für ein Wochenende zur internationalen Bühne des Laufsports.
An der Spitze des Feldes gab es einige ganz große Leistungen: Andreas Almgren aus Schweden lief mit 58:06 Minuten einen neuen Europarekord über die Halbmarathon-Distanz.
Bei den Frauen siegte Agnes Ngetich aus Kenia in 1:05:15 Stunden – Weltrekord in einem reinen Frauenrennen.
Julia Mayer feiert neuen Rekord
Julia Mayer setzte ihr sehr dichtes Rennprogramm ohne Schwäche fort. „Bis 7 Kilometer war unsere Gruppe sehr gut gemeinsam unterwegs. Dann wurde es langsamer. Ich bin alleine nach vorne und konnte zu Läuferinnen aus Kanada aufschließen. Keine wollte aber im Wind laufen, alle sind immer ausgewichen. Bei Kilometer 16 habe ich gedacht, dass ich jetzt nach vorne gehe und versuche, alles rauszuholen, was möglich ist. Die Zielgerade war endlos! Ich dachte: Wenn ich so gut drauf bin, muss ich eigentlich eine PB laufen! Aber der Wind war wirklich arg. Der Kurs und meine Beine waren gut. Ohne Wind wäre ich heute vielleicht in Richtung „70 flach“ gelaufen“, kommentierte sie ihr Rennen und das Ergebnis von 1:10:54 im Ziel.
Ihre bisherige Bestmarke von 1:11:09 war sie im Februar 2024 in Barcelona gelaufen.
Seit dem 10. Platz beim EM-Marathon Mitte August in Birmingham ging es bei Julia Mayer fast nahtlos weiter. Bereits zwei Wochen danach hat sie die Halbmarathon-Staatsmeisterschaften im Rahmen von „Kärnten läuft“ bestritten. Drei Tage vor der WM drückte sie beim Vienna Night Run über 5 Kilometer aufs Tempo. Weitere Rennen auf dem Weg zum Valencia Marathon werden folgen.
Timo Hinterndorfer holt das Beste raus
Der 22-jährige Timo Hinterndorfer, wie Julia Mayer vom Verein DSG Wien, war mit seinem 57. Platz und seinem Rennen in 1:02:44 zufrieden, auch wenn er gerne eine persönliche Bestzeit und damit einen neuen ÖLV U23-Rekord gelaufen wäre.
„Die Platzierung ist sehr gut. Mit meiner Bestzeit war ich etwa 80. auf der Startliste. Das Rennen hat sich auch sehr gut angefühlt. Unsere Gruppe war von 10-15 Kilometer leider zu langsam unterwegs. Der Wind war echt nicht einfach. Viele Läufer sind sehr schnell rausgestartet, ich habe im Lauf des Rennens einige Plätze gut gemacht“, sagte er nach dem Lauf.
Aaron Gruen unter seinen Möglichkeiten
ÖLV-Rekordhalter Aaron Gruen (ProTeam Vienna) konnte seinem Rennen verständlicherweise nichts Positives abgewinnen. In 1:04:16 Stunden blieb er mehr als drei Minuten über seiner Bestmarke von 1:01:14, die er heuer im Jänner gelaufen war.
„Ich habe keine Ausrede“, sagte er im Ziel. „Es war ein Sch…rennen.“
Andreas Almgren läuft mit Europarekord zum Halbmarathon-WM-Gold
Andreas Almgren ist der neue Halbmarathon-Weltmeister. Der 31-jährige Schwede überraschte bei den Titelkämpfen in Kopenhagen die afrikanischen Favoriten und gewann mit einer Europarekordzeit von 58:06 Minuten seinen ersten globalen Titel. Andreas Almgren ist der erste europäische Halbmarathon-Weltmeister seit 30 Jahren. 1996 hatte der Italiener Stefano Baldini den Titel gewonnen. Zu einem überlegenen Sieg lief im Rennen der Frauen Agnes Ngetich. Die Kenianerin stellte mit 65:15 Minuten einen Weltrekord für reine Frauenrennen (ohne männliche Tempomacher) auf. Deutsche Läufer waren bei diesen WM-Rennen nicht am Start.
Im Rennen der Männer passierte eine elfköpfige Spitzengruppe die 10-km-Marke nach flotten 27:53 Minuten. Das Tempo blieb zunächst relativ konstant, jedoch waren bei Kilometer 15 (41:47) nur noch vier Athleten in der ersten Gruppe übrig: Nicholas Kipkorir (Kenia), Tadese Worku (Äthiopien), Joshua Cheptegei (Uganda) und Andreas Almgren. In der Folge fiel zunächst Worku zurück. Als der fast durchgehend Führungsarbeit leistende Kipkorir dann das Tempo bei 20 km nochmals verschärfte und schon fast in einen Sprint überging, war auch Cheptegei geschlagen. Doch Almgren blieb an den Fersen von Kipkorir und lief rund 150 Meter vor dem Ziel vorbei und zu seinem größten Sieg bisher. Die letzten 1,0975 km war der 10.000-m-Europameister in 2:46 Minuten gelaufen, für den 5-km-Abschnitt von 16 bis 21 km benötigte er erstaunliche 13:23.
Mit seiner Siegzeit von 58:06 verbesserte Andreas Almgren seinen eigenen Europarekord gleich um 35 Sekunden. Der Schwede hält auch die kontinentalen Rekorde über 10 km (26:45) und 5.000 m (12:44,27). In Kopenhagen gewann er vor Nicholas Kipkorir (58:11), Joshua Cheptegei (58:26) und Tadese Worku (58:35). Der Kenianer Gideon Rono blieb als Fünfter mit 58:57 auch noch unter 59:00 Minuten.
Andreas Almgren wird am 1. November in New York sein Marathon-Debüt laufen. Die schwere Strecke ist nicht für Rekordzeiten geeignet, jedoch könnte der Schwede auch dort eine starke Rolle spielen.
>> Halbmarathon-Ergebnisse Männer
Agnes Ngetich verbessert Rekord um eine Sekunde
Keine Überraschungen gab es im Rennen um den WM-Titel bei den Frauen. Hier setzte sich die favorisierte Agnes Ngetich mit einem Start-Ziel-Sieg souverän durch. Die 25-jährige Kenianerin, die Anfang des Jahres auch schon bei der Cross-WM triumphiert hatte, löste sich frühzeitig von ihren Konkurrentinnen und lag bei 5 km mit 15:12 Minuten bereits 10 Sekunden vor einer elfköpfigen Gruppe. Nach 10 km (30:39) war der Abstand auf 26 Sekunden angewachsen und die Lücke vergrößerte sich weiter.
Am Ende lief Agnes Ngetich nur noch gegen die Uhr. Mit 65:15 hatte sie schließlich die „Women Only“-Bestzeit um eine Sekunde unterboten. 2020 hatte ihre Landsfrau Peres Jepchirchir bei der WM in Gdynia (Polen) in 65:16 triumphiert. Es gibt nur sehr wenige Halbmarathonrennen, bei denen die Frauen separat von den Männern und der Masse des Feldes laufen.
In Kopenhagen hatte Agnes Ngetich im Ziel einen Vorsprung von 50 Sekunden auf ihre Landsfrau Veronica Loleo (66:05). Florence Niyonkuru (Ruanda) folgte als Dritte in 66:08 vor Daisilah Jerono (Kenia/66:13). Beste Europäerin war die Belgierin Chloé Herbiet, die mit 68:44 Platz 19 belegte.
>> Halbmarathon-Ergebnisse Frauen
VCM News / Text: Andreas Maier, Jörg Wenig