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Lisa Redlinger läuft bei Straßenlauf-WM österreichischen 5-km-Rekord

15:18 Minuten, 14. Platz und drittbeste Europäerin in Kopenhagen

Lisa Redlinger hat bei den World Road Running Championships in Kopenhagen ein (erstes?) österreichisches Highlight gesetzt. Im 5-km-Rennen am Samstag, 19. September verbesserte sie ihren eigenen ÖLV-Rekord vom Vienna 5K beim Vienna City Marathon um 16 Sekunden von 15:34 auf 15:18 Minuten. Die Vorarlbergerin erreichte in der WM-Entscheidung den tollen 14. Platz und lief jubelnd als drittbeste Europäerin ins Ziel ein.

„Ich bin natürlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Persönliche Bestleistung, österreichischer Rekord und dazu drittbeste Europäerin – damit habe ich eigentlich alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte“, wird sie oelv.at zitiert.

Der 23-jährigen gelang damit ein starker Akzent zum Abschluss einer Saison, die wohl niemand oder nur ganz wenige so vorsehen konnte. Zwei ÖLV-Rekorde, ein starkes 10-km-Rennen, die erfolgreiche EM-Qualifikation über 5.000m auf der Bahn und der 17. Platz bei der EM in Birmingham, wo sie sich mehr erhofft hatte, machen sie zur Aufsteigerin des Jahres im österreichischen Laufsport. Dies ist umso beachtlicher, da sie als IT-Unternehmerin selbstständig berufstätig ist. 

„Unfassbare Stimmung“

Die Bedingungen waren nicht einfach in Kopenhagen. „Der Wind war zwar schon etwas störend, ich habe aber versucht, ihn möglichst nicht zu beachten“, sagte Lisa vor Ort zu Leichtathletik-Journalisten Olaf Brockmann. Die Atmosphäre in der dänischen Hautstadt war jedoch großartig und motivierte zu besonderen Leistungen. „Es war eine unfassbare Stimmung. So viele Leute, ein Wahnsinn“, meinte Lisa Redlinger, die von ihrem Freund und ihren Eltern angefeuert wurde und im unmittelbaren Zielbereich die Stimmung nach ihrem Erfolgslauf genoss hat.

Hauptstadt des Laufsports für ein Wochenende

Kopenhagen präsentiert sich einmal mehr als Running Ciy von Weltformat. Bei den Mass Races der Weltmeisterschaften über 1 Meile, 5 km und am Halbmarathon nehmen insgesamt rund 60.000 Menschen teil, auch viele aus der österreichischen Laufcommunity. An der Spitze starten am Sonntag, 20. September im WM-Halbmarathon die österreichischen Rekordläufer*innen Julia Mayer, Aaron Gruen und Timo Hinterndorfer (U23-Rekordhalter).

Zudem brachte World Athletics mit der Global Running Conference (GRC) zahlreiche Experten, Entscheider und Veranstalter des Laufsports aus aller Welt zu einer Konferenz in der dänische Hauptstadt zusammen. Medical Directors der World Athletics Label Races erweiterten in einem Seminar ihr Know-How in der Planung und Abwicklung medizinischer Services bei großen Laufevents. Aus Österreich nahmen VCM-Rennarzt Dr. Robert Fritz sowie VCM-Kommunikationsleiter Andreas Maier (GRC) teil.

5 km: Sieg der Favoritin

Einen souveränen Sieg der Favoritin gab es dagegen im 5-km-Rennen der Frauen. Die Äthiopierin Likina Amebaw dominierte das Geschehen praktisch vom Start bis ins Ziel. Lediglich im Mittelteil des Rennens hatte die Kenianerin Caroline Gitonga kurzzeitig die Führung übernommen. Als Amebaw dann bei 4 km das Tempo anzog, war Gintonga geschlagen. Amebaw lief nach 14:41 ins Ziel, gefolgt von Gitonga (14:48) und der Australierin Rose Davies, die mit 14:50 einen Kontinentalrekord aufstellte. Tayla Kavanagh (Südafrika) belegte Rang vier in 14:51. Als beste Europäerin lief Marta Garcia (Spanien) in 14:59 auf Platz sechs. Die Britin Hannah Nuttall folgte in 15:08 auf Rang zehn vor der drittbesten Europäerin Lisa Redlinger.

Youngster Dawit Seare schockt Jakob Ingebrigtsen

Im 5-km-Rennen sah Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) schon wie der sichere Sieger aus, doch auf den letzten 50 Metern überholte ihn der erst 21-jährige Dawit Seare (Eritrea), der sensationell Weltmeister wurde. Das Rennen hatte schon ungewöhnlich begonnen, denn der Franzose Flavien Szot agierte offenbar als Tempomacher für seinen Landsmann Jimmy Gressier, was bei einer Meisterschaft so gut wie nicht vorkommt. So war das Tempo von Beginn an schnell. Nach 2 km ging Szot aus dem Rennen und Gressier übernahm die Spitze. Doch der Plan hatte nicht funktioniert, denn sie konnten sich nicht absetzen und unmittelbar hinter dem 10.000-m-Weltmeister Gressier lief eine große Gruppe von Athleten. Der Franzose belegte am Ende Platz 14.

Es war dann Mezgebu Sime, der an der 4-km-Marke einen Tempovorstoß startete. Zunächst konnte nur Dawit Seare dem Äthiopier folgen, doch nach und nach arbeitete sich Jakob Ingebrigtsen an die Spitze. Während Sime zurückfiel und später Siebenter wurde, überholte der Norweger den Außenseiter Seare rund 200 Meter vor dem Ziel. Doch auch der 5.000-m-Olympiasieger hatte sich verschätzt. Ingebrigtsen wurde kurz vor dem Ziel deutlich langsamer, so dass Seare ihn 50 Meter vor der Ziellinie noch abfing und in 12:56 mit drei Sekunden Vorsprung gewann. Beide liefen nationale Rekordzeiten. Als Dritter folgte mit Saymon Amanuel ein weiterer Läufer aus Eritrea in 13:00. Der viertplatzierte Ky Robinson (Australien) lief mit 13:04 einen Kontinentalrekord.

Deutschlands Robert Farken triumphiert im WM-Meilenrennen

Robert Farken ist bei der Straßenlauf-Weltmeisterschaft in Kopenhagen zum größten Triumph seiner Karriere gelaufen: Der 28-jährige Leipziger wurde über die Meile überraschend Weltmeister und gewann seine erste große internationale Medaille. Robert Farken, der für die SG Motor Gohlis-Nord Leipzig startet und zurzeit hauptsächlich in Boulder (USA) lebt und trainiert, siegte einen Tag vor seinem 29. Geburtstag mit 3:51,80 Minuten vor dem favorisierten US-Amerikaner Yared Nuguse, der nach 3:52,33 im Ziel war. Dritter wurde Ruben Querinjean (Luxemburg) in 3:52,77. Die Zeit von Robert Farken ist die zweitschnellste aller Zeiten auf einer Rekord-konformen Strecke. Allerdings gibt es nur wenige hochkarätige Meilenrennen auf der Straße. Die Zeit wäre natürlich auch ein deutscher Rekord, jedoch führt der Deutsche Leichtathletik-Verband bisher keine Rekorde oder Bestzeiten über diese sowie einige weitere Straßen-Distanzen.

Frühzeitig im Rennen übernahm Yared Nuguse, der in Boulder ein Trainingspartner von Robert Farken ist, die Initiative und setzte sich an die Spitze. Er hielt das Tempo hoch, konnte sich aber nicht lösen. Jake Heyward hielt den Anschluss und Robert Farken lief unmittelbar hinter ihm. Der Brite konnte dann jedoch im letzten Abschnitt das Tempo nicht mehr halten und fiel noch auf Platz elf zurück. Ungefähr 150 Meter vor dem Ziel startete Robert Farken seinen Angriff, ging an Yared Nuguse vorbei und gewann das Rennen. „Es ist überwältigend, hier die Goldmedaille gewonnen zu haben. Ich habe damit natürlich nicht gerechnet. Ein bisschen habe ich von einer Medaille geträumt - aber Gold, das ist natürlich sehr cool“, sagte Robert Farken, der vor einem Jahr bei der WM bereits einen starken sechsten Platz im 1.500-m-Finale belegt hatte. Oft jedoch lief es bei großen Meisterschaften nicht so wie erhofft. Jetzt nutzte Robert Farken in seinem letzten Saisonrennen seine beste Medaillen-Chance bisher. Dabei kam ihm sicherlich entgegen, dass einige Weltklasseläufer, darunter Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) und Josh Kerr (Großbritannien), nicht im Rennen waren.

„Da ich mit Yared trainiere und hier in Kopenhagen auch zusammen mit ihm wohne, wusste ich schon was passieren würde: dass er schnell loslaufen würde. Ich war darauf vorbereitet und wusste, dass ich so dicht wie möglich an ihm dranbleiben muss“, sagte Robert Farken. „Es war eine Art Achterbahn-Saison für mich. Ich hatte einige gute Rennen, aber auch einige schlechte. Jetzt konnte ich die Saison auf einem Hoch beenden.“

Eine Überraschung gab es auch im Rennen der Frauen über die Meile: Hier siegte mit Agathe Guillemot ebenfalls eine Europäerin. Die Französin lief 4:22,74 Minuten und verwies die favorisierte Freweyni Hailu auf Platz zwei. Die Äthiopierin war nach 4:24,35 im Ziel. Dritte wurde die Kenianerin Mirriam Cherop mit 4:25,71.

VCM News / race-news-service.com