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Eine Reise, die ich mir zu Beginn selbst kaum vorstellen konnte

Die ersten Finisher der European Marathon Classics (EMC) feiern ihre Medaillen, darunter mehrere Läufer*innen aus Österreich

Acht ikonische Marathons, eine großartige Reise: Das sind die European Marathon Classics.

Rom, Wien, Madrid, London, Kopenhagen, Warschau, Lissabon und Frankfurt: 

Wer fünf dieser acht Marathons erfolgreich absolviert, ist ein EMC-Finisher und erhält eine besondere Medaille. Die fünf Rennen der Marathonreise sind darauf mit magnetischen Plaketten angebracht.

Das Besondere: Auch Ergebnisse aus der Vergangenheit zählen. Du bist deiner EMC-Medaille vielleicht näher als du denkst.

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Die ersten EMC-Medaillen überhaupt wurden beim Warschau Marathon am 27. September und beim Lissabon Marathon am 10. Oktober an die Finisher der Serie übergeben. 

Unter den Finishern der Serie sind mehrere Läufer*innen aus Österreich. Peter Scheiblhofer aus Oberösterreich hat seine Medaille in Warschau erhalten. Gyli Asenova aus Wien komplettierte die Challenge in Lissabon als erste Frau aus Österreich. Ebenso in Lissabon feierten Daniel Stössl (Wien) und Daniel Novotny-Farkas ihre EMC-Finishermedaille. 

Herzlichen Glückwunsch!

“Die EMC-Medaille bedeutet mir sehr viel, weil sie für eine Reise steht, die ich mir zu Beginn selbst kaum vorstellen konnte”, sagt Gyli Asenova.  

Die 34-jährige Wienerin absolvierte die EMC-Journey in der schnellstmöglichen Zeit. Der Vienna City Marathon am 19. April 2026 war ihr Marathondebüt. Danach ging es weiter mit Madrid und Kopenhagen im Frühjahr. Es folgten Warschau und Lissabon im Herbst. Nicht nach Lehrbuch, nicht für jeden zu empfehlen - aber eine Reise, die ihre große Willenskraft und ihre Freude am Laufen ausdrückt: 

“Am Emotionalsten war für mich der Zieleinlauf in Lissabon, als mir auf den letzten zwei Kilometern bewusst wurde, dass ich tatsächlich alle fünf Marathons geschafft hatte. Ich bin mit Tränen in den Augen ins Ziel gelaufen. In diesem Moment sind all die Erlebnisse und Anstrengungen der vergangenen Monate zusammengekommen.”


Daniel Stössl hat bereits 36 Marathons in den Beinen, darunter alle EMC-Marathons außer Warschau. 

„Ich mag das Verbindende am Laufen. Die Emotionen beim Marathon, die Schwierigkeiten, die Freude – das teilen alle Läufer, egal wie schnell sie sind. Laufen ist sehr ‘demokratisch’“, so Stössl.


Für den 53-jährigen Wiener ist das Marathonlaufen auch ein Weg, um Freundschaften zu pflegen. In Lissabon war er mit einer Freundesgruppe unterwegs, die sich immer wieder für besondere Lauf-Wochenenden trifft: 

“Wir sind drei Freunde - einer aus Wien, einer aus Vorarlberg, einer aus Frankfurt. Durch die Marathons kommen wir in tolle Städte, laufen durch interessante Stadtteile und haben eine gute Zeit. Wir lernen Menschen und Orte kennen. Obwohl wir unterschiedlich schnell laufen, können wir es gemeinsam tun.  Diese Erlebnisse machen es aus.”


Die Medaille hat bei ihm bereits einen Ehrenplatz erhalten:

“Sie ist sehr schön gearbeitet und durch die einzelnen Magneten eine tolle Erinnerung an alle Marathons. Wir haben sie mit Stolz getragen.”


Bereits am 25. Oktober geht's weiter in Frankfurt, wo die nächsten EMC-Finisher geehrt werden. Wir wünschen allen Läufer*innen viel Erfolg und ein tolles Rennen. 

 

Gyli Asenova: Von der Marathonpremiere zur EMC-Finisherin

Gyli Asenova leitet ein Cateringunternehmen zur Verpflegung von Schulen: “Direkt nach meiner Matura habe ich die Verpflegung an meiner eigenen Schule übernommen und bin diesem Bereich bis heute treu geblieben.”

Wie viele Menschen hat sie während der Corona-Zeit mit dem Laufen begonnen. “Als Selbstständige musste ich damals viele meiner Stellen schließen und stand plötzlich vor großen beruflichen, finanziellen und persönlichen Herausforderungen. Es war eine Zeit, in der ich oft nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Ich wollte aber nicht einfach zu Hause sitzen und darauf warten, dass sich alles von selbst wieder zum Guten wendet. Ich musste einen Weg finden, mit dieser schwierigen Situation umzugehen und wieder Kraft für mich selbst zu schöpfen.”

So kam sie aufs Laufen: “Schon bald habe ich gemerkt, wie viel es in mir verändert. Beim Laufen konnte ich meine Gedanken ordnen, loslassen und wieder freier atmen. Es wurde zu einem Ort, an dem ich Abstand von allem gewinnen und neue Kraft sammeln konnte. Mit der Zeit entwickelte sich daraus eine Leidenschaft, die mir nicht nur durch diese schwierige Phase geholfen hat, sondern auch meine mentale Stärke geprägt hat.”

“Beruflich bin ich 12 Stunden täglich unterwegs. Wenn ich mental nicht so gut drauf bin, setzte ich mit dem Laufen wieder alles auf Null, und ich kann den nächsten Tag wieder neu anfangen.

Genau deshalb bedeutet mir das Laufen so viel. Es ist der Moment am Tag, der nur mir gehört – in dem ich alles für eine Weile loslassen, meine Gedanken ordnen und neue Kraft schöpfen kann. Wenn ich laufe, finde ich zu mir selbst zurück. Es hilft mir, auch in schwierigen Zeiten weiterzumachen und den Blick nach vorne zu richten."

Die Freude am Laufen führte zum Gedanken an den ersten Marathonstart. Im Jänner und März 2026 nahm sie an den VCM Winterläufen teil, bevor sie am 19. April beim Vienna City Marathon an die Startlinie kam. 

“Ich war gespannt, ob es gelingt und ob ich die 42 Kilometer laufen kann. Dass ich meinen ersten Marathon schließlich in 4:07 Stunden beenden würde, hätte ich selbst nicht erwartet. Die Zeit stand für mich gar nicht im Vordergrund – ich wollte vor allem ankommen. Umso größer waren meine Überraschung und Freude, als ich es tatsächlich geschafft hatte.”

Das Feuer war entfacht. Die European Marathon Classics boten eine neue, noch größere Herausforderung. 

“Wenn ich mir ein Ziel setze, gebe ich alles dafür. Ich will es unbedingt durchziehen und erreichen.”

Auf Wien folgten Madrid, Kopenhagen, Warschau und Lissabon: “Die fünf Marathons waren für mich weit mehr als eine sportliche Herausforderung. Sie haben mir gezeigt, dass ich trotz aller Belastungen meine Ziele verfolgen und Dinge schaffen kann, die ich mir selbst anfangs kaum zugetraut hätte. Darauf bin ich besonders stolz.”

Strukturiertes Training ist aufgrund ihres Berufsalltags schwierig. Doch sie bleibt dran, und in den Ferien, wenn mehr Zeit ist, kann die wöchentliche Zahl der Laufkilometer auch dreistellig werden. Dazu kommen Ausfahrten auf dem Rennrad.

Gyli hat kein sportliches Umfeld und hat sich auch keiner Crew, keinem Verein und keinem Run Club angeschlossen. “Ich komme aus keiner sportlichen Familie. Ich liebe das Laufen, weil es mir einfach gut tut.” 

Freunde haben sie durchaus darauf aufmerksam gemacht, dass fünf Marathons innerhalb eines halben Jahres nicht empfehlenswert sind. Sie versteht es und hat dennoch die Erfahrung gemacht: “Jeder Marathon hat mich gestärkt.”

Die gesamte Reise war eine Achterbahn der Gefühle

“Ich habe in diesen Monaten unglaublich viel erlebt – von der Nervosität vor dem Start über die körperliche Anstrengung bis hin zur Freude und Erleichterung im Ziel. Besonders beeindruckt hat mich, wie unterschiedlich ich mich bei jedem Rennen gefühlt habe und wie oft ich selbst überrascht wurde, was ich leisten kann. Es gab Momente, in denen ich müde war und gezweifelt habe, aber genauso viele Augenblicke voller Energie, Stolz und Glück. Am emotionalsten war für mich der Zieleinlauf in Lissabon, als mir auf den letzten zwei Kilometern bewusst wurde, dass ich tatsächlich alle fünf Marathons geschafft hatte. Ich bin mit Tränen in den Augen ins Ziel gelaufen. In diesem Moment sind all die Erlebnisse und Anstrengungen der vergangenen Monate zusammengekommen. Diese Reise hat mir gezeigt, wie viel Freude es mir macht, mich selbst herauszufordern, und wie besonders es ist, ein Ziel zu erreichen, das anfangs kaum vorstellbar war.”

Die Medaille, die sie in Lissabon erhalten hat, ist der Ausdruck für all die Emotionen und Anstrengungen am Weg.

“Die EMC-Medaille bedeutet mir sehr viel, weil sie für eine Reise steht, die ich mir zu Beginn selbst kaum vorstellen konnte. Hinter dieser Medaille stecken viele Kilometer, Müdigkeit, Zweifel und Momente, in denen ich selbst nicht wusste, was mich erwartet. Es war ein Abenteuer, das ursprünglich gar nicht geplant war und sich Schritt für Schritt ergeben hat. Umso schöner ist es, dass ich diese Herausforderung tatsächlich gemeistert habe. Ich finde, die EMC-Serie ist eine tolle Möglichkeit für Läuferinnen und Läufer, sich neue Ziele zu setzen, über sich hinauszuwachsen und dabei besondere Erfahrungen zu sammeln. Die Medaille ist für mich deshalb eine wertvolle Erinnerung an eine Reise, die ich so nie erwartet hätte. Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe.”
 

Daniel Stössl: Genussläufer, für den Erlebnisse zählen

Daniel Stössl, der ebenso wie Gyli Asenova seine EMC-Finishermedaille in Lissabon erhalten hat, mag am Laufen besonders das Gemeinschaftsgefühl:

"Die Laufcommunity ist sehr toll. Man hilft und unterstützt sich gegenseitig. Du lernst Menschen kennen während des Laufs, man kommt ins Plaudern. Oft entstehen Bekanntschaften daraus. Und gleichzeitig rufen dir Wildfremde von der Seite zu: „You can do it!“. Das ist eine tolle Erfahrung.“

Auch nach vielen Marathonjahren spürt er noch das besondere Kribbeln vor einem Rennen. „Etwas Nervosität, Anspannung und Vorfreude ist bei jedem Marathon da. Und natürlich die positive Emotion, wenn man es geschafft hat“, sagt Stössl, der beruflich im Treasury der Wiener Stadtwerke tätig ist.

Laufen ist längst Teil des Wohlbefindes für ihn: „Als ich zwei Jahre nicht laufen konnte, habe ich gemerkt, wie sehr es mir abgeht. Der Vienna 5K beim VCM 2023 war dann mein erster Lauf nach der langen Pause. Das war großartig!“

In Lissabon hatte seine Freundesgruppe mehrfach Grund zum Feieren. Sein Kollege Daniel Novotny-Farkas freute sich ebenfalls über die EMC-Finishermedaille. Auch Robert Kling aus der Männer-Laufrunde hat bereits die nötigen Marathons für eine Medaille absolviert und wird sich nach Registrierung seine Medaille holen. “Ich finde, wir sind ein gutes Beispiel für das Verbindende des Laufsports. Daniel Novotny ist so viel schneller als ich, aber ich hab sicher mehr als 50 % meiner Marathons mit ihm gemacht - in keinem anderen Sport ist das möglich. Beim Fußball beispielsweise würde er in einer anderen Liga spielen und es wäre uns unmöglich, das Hobby gemeinsam zu betreiben”, so Stössl.

An den European Marathon Classics gefällt ihm, dass sie “realistisch zu erreichen“ sind und zugleich ”ein schönes Achievement” und einen Ansporn bieten: “Alles, was zur Motivation beiträgt, ist toll. Viele Menschen haben Bürojobs, umso wichtiger ist es, dass man sich bewegt.”

Früher einmal war ihm die persönliche Jagd nach der 4-Stunden-Marke wichtig, doch das ist jetzt egal: 

“Ich bin ein Genussläufer. Bewegung, Freude, Motivation, Anspannung – die Erlebnisse machen es aus.”

 

VCM News / Andreas Maier