61.147 Finisher! Eva Wutti genießt 2:44:59 Stunden lang die Stimmung des Mega-Events
Andreas Almgren hat als Debütant sensationell den New York-Marathon gewonnen. Der 31-jährige Schwede triumphierte in seinem ersten Rennen über die 42,195 km auf der schwierigen Strecke des Klassikers in 2:06:01 Stunden.
Bereits im September hatte Andreas Almgren für Aufsehen gesorgt, als er in Kopenhagen Halbmarathon-Weltmeister wurde. Nun gewann er als erster Schwede den New York-Marathon. Zweiter wurde der Italiener Yemaneberhan Crippa in 2:06:14 vor Kamohelo Mofolo (Lesotho/2:06:26). Titelverteidiger Benson Kipruto (Kenia) folgte als Vierter mit 2:06:27.
Das Rennen der Frauen gewann die Kenianerin Sheila Chepkirui in 2:24:36 Stunden nach einem spannenden Zweikampf mit Hellen Obiri. Während Chepkirui zum zweiten Mal nach 2024 in New York gewann, musste sich die kenianische Titelverteidigerin Obiri am Ende mit Platz drei in 2:24:43 zufrieden geben, da sie von Jessica McClain (USA/2:24:42) noch abgefangen wurde. Fabienne Königstein aus Deutschland, (Hannover 96), Viertplatzierte beim VCM 2025, erreichte mit Platz zehn in 2:28:49 ein sehr gutes Resultat.
61.147 Finisher haben laut Ergebnisliste das Ziel im Central Park erreicht – mehr als je zuvor bei einem einzelnen Marathonrennen weltweit. Die bisherige Höchstzahl verzeichnete London 2026 mit 59.830 Läufer*innen im Ziel.
Im Rekordfeld des Events waren 122 Läufer*innen aus Österreich dabei. Darunter EM-Teilnehmerin Eva Wutti (Club Run Austria). Sie startete aus der zweiten Welle der Hobbyläufer heraus, das Lauferlebnis stand für die ehemalige ÖLV-Rekordhalterin im Vordergrund. In 2:44:59 Stunden erreichte sie auf der hügeligen Strecke dennoch eine sehr ansprechende Zeit und kam sogar auf Rang fünf ihrer Altersklasse W35. Mit Ulrike Köstinger in 2:50:14 blieb eine zweite Österreicherin unter der 3-Stunden-Marke. Simon Naschberger war in 2:44:58 der schnellste Mann aus Österreich.
Andreas Almgren: Was für ein Marathondebüt!
Überraschend kam der Auftritt von Andreas Almgren nicht gerade. Zu starke waren seine Vorleistungen. Schon bei der Halbmarathon-WM in Kopenhagen setzte er sich in Europarekordzeit von 58:06 Minuten gegen die Weltspitze durch. Eine Sensation lieferte der Schwede dennoch ab. Beim Marathondebüt gegen ein dicht gepacktes Elitefeld in New York zu gewinnen, und das als Europäer – man darf gespannt sein, wo diese Marathonstory noch weiter hinführt.
An der Spitze des Rennens wurde die zweite Hälfte deutlich schneller gelaufen als die erste. Nach 64:01 Minuten hatte der zu diesem Zeitpunkt ein paar Meter vor der großen Spitzengruppe laufende US-Amerikaner Zouhair Talbi den Halbmarathon-Punkt erreicht. Bei Kilometer 30 (1:30:26 Stunden) rannten immer noch 17 Läufer gemeinsam in der ersten Gruppe, nach 35 km waren es noch 15. Darunter waren neben dem Titelverteidiger Benson Kipruto auch die früheren New York-Sieger Geoffrey Kamworor (Kenia) und Abdi Nageeye (Niederlande).
Doch als dann das Tempo verschärft wurde, fielen unter anderen Nageeye und Kamworor zurück. Zouhair Talbi, Yemaneberhan Crippa, Andreas Almgren und Benson Kipruto setzten sich im Central Park auf dem hügeligen Schlussstück ab und je länger das Rennen dauerte, desto mehr drückte der schwedische Halbmarathon-Weltmeister, der zuvor im August bei der EM auch Gold über 10.000 m gewonnen hatte, auf das Tempo. Erst konnte Talbi nicht mehr mithalten, dann der Titelverteidiger Kipruto und schließlich musste auch Crippa den Schweden ziehen lassen. Mit 2:06:01 gelang Andreas Almgren auf der schweren New Yorker Strecke ohne Tempomacher auch eine eindrucksvolle Debüt-Zeit. „Das hätte ich nie für möglich gehalten“, sagte der 31-jährige Almgren.
Das Rennen der Frauen
Es war ein typisches New York-Rennen - am Anfang sehr langsam, am Ende immer schneller und dazwischen ein wechselndes Tempo. Ohne Pacemaker erreichte auf der welligen Strecke eine große Gruppe von über 20 Läuferinnen den 10-km-Punkt nach 35:45 Minuten. Dieses Tempo deutete auf eine Zeit von rund 2:31:00 Stunden hin.
Nach gut 15 km gab es eine kurze Tempoverschärfung von Chepkirui und Cheptoo, so dass die ersten Läuferinnen den Kontakt zur Gruppe verloren. Darunter waren auch die WM-Dritte von Tokio 2025, Julia Paternain (Uruguay), und Fabienne Königstein. Obwohl sich das Tempo vorne wieder beruhigte und die Halbmarathon-Marke nach 73:52 Minuten passiert wurde, erreichte Fabienne Königstein die Spitzengruppe nicht mehr. Nach der ersten Hälfte betrug der Rückstand zwar nur noch acht Sekunden, doch in der Folge wurde die Pace vorne wieder erhöht und nun vergrößerte sich der Abstand deutlich. Als eine achtköpfige Spitzengruppe nach 1:44:02 Stunden am 30-km-Punkt war (nun lief es auf eine Zielzeit von ungefähr 2:26 hinaus), war Fabienne Königstein auf Platz 16 zurückgefallen und hatte einen Rückstand von rund 80 Sekunden.
An der Spitze war es immer wieder Sheila Chepkirui, die eine Bestzeit von 2:17:29 aufweist, die das Tempo verschärfte. Am Ende konnte ihr nur noch Hellen Obiri folgen, doch wenige hundert Meter vor dem Ziel war auch die Titelverteidigerin geschlagen. „Die letzte Meile war tricky, denn ich brauchte Geduld. Ich wusste, dass Hellen stark ist. Ich musste bis zur Ziellinie alles geben“, sagte die 35-jährige Sheila Chepkirui, die nach 2:24:36 im Ziel war. Die beiden New York-Siege sind für die Kenianerin die größten Erfolge ihrer Karriere. Während Jessica McClain (2:24:42) sich noch den zweiten Platz vor Hellen Obiri (2:24:43) schnappte, lief Edna Kiplagat auf einen erstaunlichen vierten Rang. Die zweifache Marathon-Weltmeisterin (2011 und 2013) aus Kenia erreichte als 46-Jährige noch 2:25:42.
Fabienne Königstein machte auf dem welligen Schlussstück im Central Park noch einige Plätze gut. Sie hatte sich ihre Kräfte offenbar besser eingeteilt als eine Reihe von Konkurrentinnen. Zwischen Kilometer 35 und 40 lief die 33-Jährige von Platz 15 bis auf Rang zehn und hielt diesen Platz bis ins Ziel (2:28:49). „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Wetterbedingungen waren ideal. Ich habe daher erwartet, dass es ein schnelles Rennen wird. Wir sind dann aber doch sehr gemächlich ins Rennen gestartet, ab Kilometer 18 wurde das Tempo deutlich verschärft und ich habe mich entschieden in der Gruppe der Verfolgerinnen zu bleiben. Das war die richtige Entscheidung, denn so konnte ich mich in der zweiten Hälfte von Platz 16 auf Platz 10 vorarbeiten und fühlte mich auf den letzten Kilometern im Central Park sehr stark“, sagte Fabienne Königstein. „Der Kurs in New York ist nicht einfach mit den vielen Höhenmetern und den ständigen Rhythmuswechseln durch die Ups and Downs. Daher bin ich unterm Strich auch mit der Zeit zufrieden und blicke zuversichtlich ins nächste Jahr.“
Eine Top-Ten-Platzierung einer deutschen Läuferin in New York ist in diesem Jahrtausend rar. Nur zweimal gelang dies in den vergangenen 26 Jahren einer Athletin: 2004 war Luminita Zaituc Sechste und 2013 belegte Sabrina Mockenhaupt Platz sieben. In den 80er und 90er Jahren gab es immer wieder sehr starke Platzierungen deutscher Frauen in New York - Höhepunkt war der Sieg der Berlinerin Uta Pippig 1993.
Top-Ergebnisse, Männer:
1. Andreas Almgren SWE 2:06:01
2. Yemaneberhan Crippa ITA 2:06:14
3. Kamohelo Mofolo LES 2:06:26
4. Benson Kipruto KEN 2:06:27
5. Haftu Strintzos AUS 2:06:34
6. Zouhai Talbi USA 2:06:43
7. Ryota Kondo JPN 2:07:08
8. Ahmed Muhumed USA 2:07:09
9. Geoffrey Kamworor KEN 2:07:09
10. Ryan Ford USA 2:07:17
Frauen:
1. Sheila Chepkirui KEN 2:24:36
2. Jessica McClain USA 2:24:42
3. Hellen Obiri KEN 2:24:43
4. Edna Kiplagat KEN 2:25:42
5. Mercy Chelangat KEN 2.25:46
6. Carrie Ellwood USA 2:26:28
7. Weini Kelati USA 2.26:51
8. Paige Wood USA 2:27:29
9. Viola Cheptoo KEN 2:28.34
10. Fabienne Königstein GER 2:28:49
>> Alle Ergebnisse
VCM News / Jörg Wenig, AM